.

.

Sonntag, 10. Juni 2018

Donnerstag, 7. Juni 2018

Heute sind wir mit dem Reiher
durch das Sumpfgras 
gezogen

dann stand er still
Zeit auch

Und das Gras wuchs
in die duftende Sonne

und wuchs und wuchs

Da fiel die Liebe 
in uns hinein

und wir wussten

(Ulrich Moser)

Sonntag, 27. Mai 2018

Unterschiedliche Perspektiven

Im Spiegel des Alltags
vergeht die Zeit
geduldig und sanft.

Alle paar Monate
die Entdeckung einer Falte:
Das Lachen beginnt
die Mundwinkel zu zeichnen,
das Gesicht etwas länglicher.
Nichts Ernsthaftes.
Nichts, das plötzliche Unruhe auslöst.

Auf der Strasse, ein beliebiger Tag,
treffe ich auf einen Freund,
den ich zehn Jahre nicht sah.
Das Haar ist dünn geworden.
Er hat zugenommen.
Er ist ergraut.
Aus seinem Gesicht, das nicht mehr jung ist,
sieht er mich staunend an.

Wir tauschen Grüsse,
Umarmungen,
Scherze über das Vergehen der Zeit.
Dann
geht jeder seinen Weg.

Heute Nacht
vor dem Spiegel,
werde ich meinen,
dass ich gar nicht so übel aussehe,
dass zweifellos ich
weniger gealtert bin.
Während er,
seinem Bild zugewandt,
sich genau das Gleiche sagt....

(Gioconda Belli)

Donnerstag, 24. Mai 2018

I knew a wise woman
And she said to me
That the river would mold me
And the wild wind would cool me
The trickster the coyote
He would fool me
That father sun would warm me
Mother earth would clothe me
Grandmother moon would greet me
And of the old ways she would teach me
Wise woman, she told me
To always walk lightly
Tread the earth ever gently
Lovingly so preciously
And take from her sparingly
She said, to share with others
What you have learned from me
Be still and breathe, ever patiently
For the web of life
Has woven what is to be
But you must still choose
Your own path, you will see
And lastly, the wise woman said to me
To listen to the wise one
That dwells within me
To walk my path in balance
Is to be free
More than just words
So mote it be.

(Lucille Moore)

Sonntag, 20. Mai 2018

Der Lebenskoffer

"Unterwegs auf den großen Reisewegen des Lebens. In vertrauten Gefilden, in der Wildnis, durch Wüsten, über hohe Pässe, im Dorf herumspaziert – der Lebenskoffer ist dabei. Er füllt sich mit all den Geschichten, den Wandergeschichten, mit Lachen und Tränen, mit Erkenntnissen, mit allem Erfahrenen, mit den Berührungen der Jahreszeiten.
In meinem Lebenskoffer ist eine Feuerkugel, sie ist gefüllt mit der Asche vieler Feuer, an denen ich gelernt und gelebt habe, an denen ich mich beheimatet habe und wieder weitergezogen bin, wenn es Zeit war, an das nächstältere Feuer zu gehen. Dazu habe ich auch einen Aschlöffel.
Eine Schale mit Lebensabschnittsblumen ist im Koffer. Ich kenne die Weiße und die Rote gut, weil ich ihren Duft lange Zeit eingeatmet und ihre Qualitäten erkundet habe. Dann ist da noch eine kleinere Blume in der Schale, sie färbt sich ins Schwarz. Diese ist mir noch unbekannter. Jede der Blumen hat unzählige eigene Geschichten und Blumen und Blütenblätter hervorgebracht.
Fäden liegen auch im Koffer, Verbindungsfäden – zu den Spirits, zu Menschen und Tieren und Landschaften, zu AhnInnen, Fäden, die weit ins Gestern führen und zarte, die sich ins Morgen spinnen. Ein Geisterkästchen von einer Freundin ist im Lebenskoffer, darin sind die Wege in andere Welten aufgezeichnet, die Schwellen, die Pfade, die Boote, die ins Nagual tragen.
Ein Teil des Koffers hütet die Visionen, die gelebten und umgesetzten und die begrabenen. Das ist wie mit den Träumen, auch sie haben ihren Platz. Dann gibt es die Geschichtenschachteln. Eine wichtige Substanz ist die Heimatmedizin, sie ist in einem Behältnis, das sehr dehnbar und weich ist. Kraftquellen und Wurzeln gibt es und Verschiedenstes zum Fliegen.
Ganz viel heilige Alltagsgeschichten finde ich und im Heiligeck ein paar Scheinheiligbrösel und ein kleines Schmunzeln dazu. Je mehr ich in meinem Lebenskoffer stöbere, umso mehr gibt es zu entdecken. Wie reich und gefüllt muss da erst ein uralter Lebenskoffer sein."

(Cambra Skade)

Samstag, 19. Mai 2018

Donnerstag, 17. Mai 2018

Samstag, 28. April 2018

Mit Maiglöckchen 
läutet das junge Jahr
seinen Duft

Der Flieder erwacht
aus Liebe zur Sonne
Bäume erfinden wieder ihr Laub
und führen Gespräche

Wolken umarmen die Erde
mit silbernem Wasser
da wächst alles besser

Schön ists im Heu zu träumen
dem Glück der Vögel zu lauschen

Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder

Ja es ist Zeit
sich zu öffnen
allen ein Freund zu sein
das Leben zu rühmen


(Rose Ausländer)

Freitag, 27. April 2018

Dienstag, 17. April 2018


Nach dem Erwachen

Dank für den Augenblick
in dem die Helligkeit
wieder da ist,
sich an die Arbeit macht,
auseinanderfaltet,
was sich eben noch
verdeckt hielt.


(Walter Helmut Fritz)

Samstag, 14. April 2018

Federn lassen und dennoch schweben, 
das ist das Geheimnis des Lebens.

(Hilde Domin)

Montag, 9. April 2018

We are all wanderers on this earth. 
Our hearts are filled with wonder, 
our souls are deep with dreams.

(Gipsy proverb)

klar -
es ist frühling und niemand
niemand wundert sich
über fische am himmel
und schwebende steine
schau hin die wolken sie
schwingen hell in den zweigen
alles ist leicht sagst du
selbst die erde
wiegt nicht mehr
so schwer

(Sylvia Hagenbach)

Donnerstag, 5. April 2018

Wir glauben so lange nicht an uns,
bis jemand uns zeigt,
dass tief in uns etwas wertvoll ist,
etwas, das unser Zuhören wert ist,
das unser Vertrauen verdient,
das unserer Berührung heilig ist.
Wenn wir einmal an uns selbst glauben,
können wir Neugier wagen, Staunen, 
spontanes Entzücken oder jede Erfahrung,
die den menschlichen Geist offenbart.

(E.E. Cummings)

Mittwoch, 4. April 2018

Mit kleinen Schritten, gemessen, gemessen,
Die Strecke Weges, die schwierig ist, gehen.
Das Schöne erinnern, das Schlechte vergessen
Und schweigend die Zeichen der Hoffnung verstehen.
Denn ohnedem ists nicht: die Graugänse schreien.
Im Finsteren Tausende auf ihrem Zug
Verliern das Gesetz nicht, sich schützend zu reihen.
Und führen die Hoffnung mit sich im Flug.

(Eva Strittmatter)

Montag, 2. April 2018

losgelöst

wie mir die tage fehlen
wo das südlicht
das meer silbert
die brandung wandelt
in sprühende schleier
diamantener wogen
die fest ihre zähne
schlagen in schroffes gestein
und in mein herz
die gischt zum gleissen bringt
meterhoch aufgebäumt
träume, wünsche
und am ende ich
losgelöst
im blau-weißen funkeln 

wie mir die tage fehlen



(Isabella Kramer)

Samstag, 31. März 2018

Mit Dichtung musst du was an
fangen können eine Reise
um die Welt einen Fisch
aus dem Meer - anfangen
wie eine Liebe mit vierzehn
fangen den Ton aus dem Jägerhorn

Mit Dichtung musst du was an
fangen wollen die Fahrkarte
musst du schon selber kaufen
oder die Angel den Engel
nicht leugnen wenn er dich ruft
trau dich ihm zu folgen

im Flug ohne Angst
vor dem Absturz oder
der anderen Welt
in die er dich führt
als wärest du dort
schon immer zu Hause gewesen

(Ulla Hahn)

Donnerstag, 29. März 2018

Das Licht

Es hat mich begleitet,
beinahe jeden Tag.
Es zeigte mir das Meer und die Tiere,
den Schnee auf den Bergen
und im Waldschatten den Farn.
Ich habe mich für das Licht
nicht bedankt.
Es wies auf die Gegenstände
und lehrte mich sprechen.
Es lehrte mich lesen und schreiben
nach der Natur.
Ich habe mich für das Licht
nicht bedankt.
Einmal zog es sich zurück,
und ich konnte im Spiegel
meine Augen nicht finden.
Aber dann kehrte es wieder,
und ich habe mich
flüsternd bedankt.

(Rainer Malkowski)

Sonntag, 25. März 2018

The greatest fear in the world 
is the opinion of others, 
and the moment you are
unafraid of the crowd, 
you are no longer a sheep, 
you become a lion. 
A great roar arises in your heart,
the roar of freedom.

(Osho)

Donnerstag, 22. März 2018

Gehen wir in die Stunden hinein
gehen wir ins Ungewisse hinaus
gehen wir als Regen
gehen wir als Halme rieseln wir als Sand

gehen wir behutsam
lassen wir das Leichte fliegen
lassen wir das Schwere liegen
geben wir den Schatten unsere Schatten
geben wir den Nächten unseren Atem
gehen wir

(Werner Lutz)