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Sonntag, 11. November 2012

Dreams



Hold fast to dreams
For if dreams die
Life is a broken-winged bird
That cannot fly.

Hold fast to dreams
For when dreams go
Life is a barren field
Frozen with snow.

(Langston Hughes)

Samstag, 10. November 2012


Nur zwei Dinge


Durch so viel Form geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinn, ob Sucht, ob Sage -
dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

(Gottfried Benn)




Freitag, 9. November 2012

Im Zweifel für den Zweifel




Though my soul may set in darkness,
It will rise in perfect light;
I have loved the stars too fondly
To be fearful of the night
                        (- Galileo)


Donnerstag, 8. November 2012



Wünsch dir was
sagte die gute Fee

Alt und weise
möchte ich werden
und unerschrocken

Eine eigensinnige Alte
mit silbernen Haaren
ohne Strümpfe
in lila Sandalen
Und Lachfalten
möchte ich haben
ganz viele

(Anne Steinwart)

Mittwoch, 7. November 2012

Menschen bei Nacht


Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.
Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

(Rilke)


Dienstag, 6. November 2012

Die meisten Menschen sind wie ein fallendes Blatt, das weht und dreht sich durch die Luft...
Andere aber, wenige, sind wie Sterne, die gehen eine feste Bahn, kein Wind erreicht sie, in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn. 
(Hermann Hesse, Siddhartha)

Love is not all: It is not meat nor drink
Nor slumber nor a roof against the rain;
Nor yet a floating spar to men that sink
And rise and sink and rise and sink again;
Love can not fill the thickened lung with breath,
Nor clean the blood, nor set the fractured bone;
Yet many a man is making friends with death
Even as I speak, for lack of love alone.
It well may be that in a difficult hour,
Pinned down by pain and moaning for release,
Or nagged by want past resolution's power,
I might be driven to sell your love for peace,
Or trade the memory of this night for food.
It well may be. I do not think I would.

(Edna St. Vincent Millay)

Montag, 5. November 2012

What I have to offer


What I have to offer
Well, check it out
I've learned some things
And I know what it's about

I'm quite discerning and
I"m pretty smart
It takes an awful lot to
Win my heart

But you know that I'm so full of love
For you

(Eels)


Augen in der Großstadt


Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.
Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang, die
dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...
Vorbei, verweht, nie wieder. 
Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber ...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

(Kurt Tucholsky)

Sonntag, 4. November 2012


“We are buried beneath the weight of information
which is being confused with knowledge
quantity is being confused with abundance 
and wealth with happiness.
We are monkeys with money and guns.” 

(Tom Waits)

Novembertag


Nebel hängt wie Rauch ums Haus, 
Drängt die Welt nach innen. 
Ohne Not geht niemand aus, 
Alles fällt in Sinnen. 
Leiser wird die Hand, der Mund, 
Stiller die Gebärde. 
Heimlich, wie auf Meeresgrund 
Träumen Mensch und Erde.

(Christian Morgenstern)



Samstag, 3. November 2012

Worte in den Wind


Du zahlst für jedes kleine Wort auf Erden,
für jedes Mal, da du das Schweigen brichst.
So tief du liebst, wirst du verwundet werden
und missverstanden, fast sooft du sprichst.

(Masa Kaleko)

Freitag, 2. November 2012

She is always and never the same
Ich habe gesagt: Wolken:
bedeckt die Geliebte
wenn ihr die Sonne zu heiss wird.
Fluss: teil dich, wenn sie ans Ufer kommt.
Häuser: nehmt sie auf, wenn sie ermüdet
und Tische: lasst sie zu.
Wiesen: bindet ihr einen Strauß
und Vögel: singt ihr ein Lied, 
wenn sie erwacht. Steine:
geht aus dem Weg, den sie nimmt
und Berge: versetzt euch, wenn nötig.
Meere: tragt ihren Körper zu den Kontinenten.
Städte: seid freundlich.
Menschen: liebt, die ich liebe.
Ich habe das gesagt. Nun geh.
Hab keine Angst. Man hört auf mich.

(Peter Maiwald)

Das Gefieder der Sprache streicheln
Worte sind Vögel
mit ihnen
davonfliegen.

(Hilde Domin)

Donnerstag, 1. November 2012

Crossroads * Wegkreuzungen


I sit in the blackness of the dark moon night
with my hounds
at the crossroads
where three roads converge
at the crossroads
the place of choice

All paths lead to the crossroads
and all are desireable
but only one can you travel
only one can you choose
choice creates endings
and all beginnings come from endings
at the crossroads

Which one will you choose?
which way will you go?
which?
Though the choice is yours
here’s a secret I’ll share
The way to choose is to enter the void
the way to choose is to let die
the way to choose is to fly free

                             (Amy Sophia Marashinsky)




In dunklen, mondlosen Nächten
   sitze ich mit meinen Hunden
   an den Kreuzungen,
   an denen sich drei Straßen treffen,
   an Kreuzungen,
   die eine Wahl erfordern.

   Alle Wege führen zu Kreuzungen,
   und alle scheinen verlockend,
   doch du kannst nur einen gehen,
   du kannst nur einen wählen;
   jede Wahl gebiert ein Ende
   an einer Kreuzung.

   Welchen Weg wirst Du wählen?
   Welchen wirst Du gehen?
   Welchen?
   Die Wahl liegt zwar bei dir,
   doch teile ich mit Dir ein Geheimnis:
   Die beste Wahl ist, in die Leere zu gehen,
   die beste Wahl ist, sterben zu lassen,
   die beste Wahl ist, frei zu fliegen.

   (Amy Sophia Marashinsky)

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Warning


To love a man wholly
    love him
    feet first
           head down
           eyes cold
           closed
    in depression.

It is too easy to love
    a surfer
    white eyes
    godliness &
           bronze
    in the bright sun.

(Alice Walker)

Oktoberhimmel


Dienstag, 30. Oktober 2012


Sei gefasst -
es kann dich Hals und Kragen kosten
Mark und Bein
wenn du die Träume lebst
die du seit jeher hattest 

Nein -
es wird nicht sein wie früher
anders wird es werden
niemand löscht
ein Feuer
das dich mitten durch entzündet
keiner bremst
den Zug auf voller Fahrt

(Vreni Merz)

Montag, 29. Oktober 2012


"Man muss Flügel haben, 
wenn man den Abgrund liebt ..."

(Nietzsche in: "Zwischen Raubvögeln")


IF.....



IF you can keep your head when all about you 
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don't deal in lies,
Or being hated, don't give way to hating,
And yet don't look too good, nor talk too wise:
If you can dream - and not make dreams your master;
If you can think - and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;
If you can bear to hear the truth you've spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build 'em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings 
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: 'Hold on!'

If you can talk with crowds and keep your virtue,
' Or walk with Kings - nor lose the common touch,
if neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds' worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that's in it,
And - which is more - you'll be a Man, my son!

(Rudyard Kipling)

Sonntag, 28. Oktober 2012

Samstag, 27. Oktober 2012

Ohne dich


Nicht nichts ohne dich
aber nicht dasselbe

Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger

Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht mehr viel

(Erich Fried)