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Dienstag, 12. März 2013

Flugangst



Und ich trag den schwierigen Stempel der Stadt auf der Stirn
und es dauert nicht mehr lang und er brennt sich mir ins Hirn
und anstatt Haaren wachsen mir wundervolle Flausen aus dem Kopf...
You are the books you read, the films you watch, the music you listen to, the people you meet, the dreams you have, the conversation you engage in. You are what you take from these. You are the sound of the ocean, the breath of fresh air, the brightest light and the darkest corner.

You are a collective of every experience you have had in your life. You are every single second of every single day.So drown yourself in a sea of knowledge and existence. Let the words run through your veins and let the colors fill your mind until there is nothing left to do but explode.

There are no wrong answers. Inspiration is everywhere. Sit back, relax, and take it all in.

Now go out and create something. 

(Jac Vanek)

alles in allem


ein windiges spiel
woran ich festhalte
hält mich nicht

bilder
die ich sehe nicht sehe
die mich nicht sehen
durch die ich hindurchgehe

licht 
das ich sehe nicht sehe
das mich sieht nicht sieht
durch das ich hindurchgehe

täuscht 
helle flächen tragen
weiter als dunkle

schnee trägt
und den weissen
wüstensand
sah ich schon einmal
von oben

(Doris Runge)

Montag, 11. März 2013

I know you

For you life is a long trip 
Terrifying and wonderful 
Birds sing to you at night 
The rain and the sun the changing seasons are true friends 
Solitude is a hard won ally, faithful and patient 

(Henry Rollins)



Sei ganz ruhig.
das Leben besteht nicht aus Sensationen,
es läuft nicht davon,
es bietet keine verpassten Gelegenheiten,
es wird nicht einmal weniger mit den Jahren.
Dreh dich nur beiläufig um:
Es wird mehr.

(Angela Krauss)

Sonntag, 10. März 2013



Ich habe Heimweh nach einem Land
in dem ich niemals war,
wo alle Bäume und Blumen
mich kennen,
in das ich niemals geh
doch wo sich die Wolken
meiner
genau erinnern,
ein Fremder, der sich
in keinem Zuhause
ausweinen kann.

Ich fahre
nach Inseln ohne Hafen,
ich werfe den Schlüssel ins Meer
gleich bei der Ausfahrt.
Ich komme nirgends an.
Mein Segel ist wie ein Spinnweb im Wind,
aber es reißt nicht.
Und jenseits des Horizonts,
wo die großen Vögel
am Ende des Fluges
die Schwingen in der Sonne trocknen,
liegt ein Erdteil
wo sie mich aufnehmen müssen,
ohne Pass,
auf Wolkenbürgschaft. 

(Hilde Domin)

Samstag, 9. März 2013























Schlagen wir
den nützlichen geduldigen Weg wieder ein
tiefer als die Wurzeln den Weg des Samenkorns
das gedrängte Wunder mischt Karten
aber es gibt kein Wunder
nur die Kraft der Samenkörner
ihrer ausreifenden Hartnäckigkeit gemäß

sprechen heißt das Samenkorn begleiten
bis zum schwarzen Geheimnis der Zahlen

(Aimé Césaire)

Freitag, 8. März 2013


Wenigstens Blumen wenigstens Lieder 
Von uns bleibt mehr 
Als Worte und Gesten 
Der glühende Wunsch nach Freiheit 
Ansteckende Sucht

(Giaconda Belli)

Donnerstag, 7. März 2013


When you come to the end of all the light you know, 
and it's time to step into the darkness of the unknown, 
faith is knowing that one of two things shall happen: 
Either you will be given something solid to stand on 
or you will be taught to fly.

(Edward Teller)

Irgendwann wird wieder frühling sein
die tür wird offenstehen und wolken von neuen ideen
werden durch die straßen wandern
du wirst hier sitzen mit deinem
frühlingskörper und eine erste zigarette rauchen
du wirst in einer zeitung blättern auf der suche
nach einer blutigen oder absurden geschichte
zufälle werden leuchten wie die gesichter von engeln
nach einer langen und schwierigen krankheit und dein bewußtsein
wird schwelgen in den gerüchen einer fernen fremden welt
du wirst dich bemühen deine gedanken zu zügeln
die mit sechs bis acht einhornbeinen durch die lüfte galoppieren
etwas leichtes wird sich zeigen
eine jenseitige substanz aus eigensinn und magie
erinnerungen werden aufklingen
und von den dächern der zukunft
wird dein gesicht herabspringen
mitten hinein
                     in den glänzenden
                                                  augenblick

(Joachim Zünder)

endlich Frühling







Mittwoch, 6. März 2013





Langsam stirbt,
wer die Leidenschaft vermeidet,
wer Schwarz dem Weiß und das Tüpfelchen auf dem „i„ bevorzugt,
anstatt einer Vielfalt von Emotionen,
eben solche die die Augen glänzen lassen,
solche die ein Gähnen in ein Lächeln verwandeln,
solche die das Herz
in Gegenwart eines Fehlers und Gefühlen hoch schlagen lassen.

Langsam stirbt,
wer den Tisch nicht umstülpt,
wenn er sich unglücklich auf seiner Arbeit fühlt,
wer um einen Traum zu verfolgen
die Sicherheit für Unsicherheit nicht riskiert,
wer sich nicht einmal in seinem Leben die Freiheit nimmt,
sich vernünftigen Ratschlägen zu entziehen.

Langsam stirbt,
wer nicht reist,
wer nicht liest,
wer keine Musik hört,
wer nicht das Edle in sich selbst findet.

Langsam stirbt,
wer die Liebe zu sich selbst zerstört;
wer sich nicht helfen lässt.

Langsam stirbt,
wer die Tage damit verbringt,
über sein Unglück
oder über den ununterbrochenen Regen zu klagen.

Langsam stirbt,
wer ein Projekt abschreibt, bevor er es beginnt;
wer keine Fragen stellt zu Argumenten, die er nicht kennt;
wer nicht antwortet, wenn man ihn nach etwas fragt, das er weiß.

Vermeiden wir den Tod in kleinen Raten,
in dem wir uns immer erinnern,
dass leben eine viel größere Anstrengung bedarf,
als nur die einfache Tatsache zu atmen.

Nur die unauslöschliche Geduld
wird zu einer wunderbaren Glückseligkeit führen.

(Pablo Neruda)


He who becomes the slave of habit,
who follows the same routes every day, 
who never changes pace, 
who does not risk and change the color of his clothes, 
who does not speak and does not experience,
dies slowly.

He or she who shuns passion,
who prefers black on white, 
dotting ones "it’s" rather than a bundle of emotions, 
the kind that make your eyes glimmer, 
that turn a yawn into a smile, 
that make the heart pound in the face of mistakes and feelings,
dies slowly.

He or she who does not turn things topsy-turvy, 
who is unhappy at work, 
who does not risk certainty for uncertainty, 
to thus follow a dream, 
those who do not forego sound advice at least once in their lives, 
die slowly.

He who does not travel, who does not read, 
who does not listen to music, 
who does not find grace in himself, 
she who does not find grace in herself, 
dies slowly.

He who slowly destroys his own self-esteem, 
who does not allow himself to be helped, 
who spends days on end complaining about his own bad luck, 
about the rain that never stops, 
dies slowly.

He or she who abandon a project before starting it, 
who fail to ask questions on subjects he doesn't know, 
he or she who don't reply when they are asked something they do know,
die slowly.

Let's try and avoid death in small doses, 
reminding oneself that being alive requires an effort 
far greater than the simple fact of breathing.

Only a burning patience will lead
to the attainment of a splendid happiness.


(Pablo Neruda)

Dienstag, 5. März 2013


Instants

If I were able to live my life anew, 
In the next I would try to commit more errors.
I would not try to be so perfect, I would relax more.
I would be more foolish than I've been, 
In fact, I would take few things seriously.
I would be less hygienic.
I would run more risks, 
take more vacations, 
contemplate more sunsets, 
climb more mountains, swim more rivers.
I would go to more places where I've never been, 
I would eat more ice cream and fewer beans, 
I would have more real problems and less imaginary ones.

I was one of those people that lived sensibly
and prolifically each minute of his life; 
Of course I had moments of happiness.
If I could go back I would try
to have only good moments.

Because if you didn't know, of that is life made: 
only of moments; Don't lose the now.

I was one of those that never 
went anywhere without a thermometer, 
a hot-water bottle, 
an umbrella, and a parachute; 
If I could live again, I would travel lighter.

If I could live again, 
I would begin to walk barefoot from the beginning of spring
and I would continue barefoot until autumn ends.
I would take more cart rides, 
contemplate more dawns, 
and play with more children, 
If I had another life ahead of me.

But already you see, I am 85, 
and I know that I am dying.

(Jorge Luis Borges)

Montag, 4. März 2013


Mit dem Schlimmsten rechnen
als wäre es schon geschehen

Runter
von der Überholspur

Das eigene Gewissen erforschen
nicht das der anderen

Erinnerungen füttern
wie Vögel im Winter
damit sie noch einmal singen
als wäre es wieder Sommer
und Juni und du so nah

(Ulla Hahn)

Sonntag, 3. März 2013





Black March

I have a friend
At the end
Of the world.
His name is a breath

Of fresh air.
He is dressed in
Grey chiffon. At least
I think it is chiffon.
It has a
Peculiar look, like smoke.

It wraps him round
It blows out of place
It conceals him
I have not seen his face.

But I have seen his eyes, they are
As pretty and bright
As raindrops on black twigs
In March, and heard him say:

I am a breath
Of fresh air for you, a change
By and by.

Black March I call him
Because of his eyes
Being like March raindrops
On black twigs.

(Such a pretty time when the sky
Behind black twigs can be seen
Stretched out in one
Uninterrupted
Cambridge blue as cold as snow.)

But this friend
Whatever new names I give him
Is an old friend. He says:

Whatever names you give me
I am
A breath of fresh air,
A change for you.

(Stevie Smith)

Samstag, 2. März 2013


Der Traum vom Fliegen



Und wieder mir träumte, ich wäre geflogen,
und diesesmal war es doch sicherlich wahr,
denn ich hatte so leicht wie die Luft ja gewogen
und hatte die Knie an den Körper gezogen,
und es ging wie im Flug, im beherztesten Bogen
hoch über der schwergewichtigen Schar,
es war keine Täuschung, ich war nicht betrogen,
es flogen die Stunden, die Tage, das Jahr.

Mit fliegenden Hoffnungen vollgesogen,
so wach' ich mit müderen Gliedern auf.
Zu Lande ist Leben; und angelogen,
vom leichtesten Trug an der Nase gezogen,
aus allen Himmeln zur Erde geflogen,
da lieg' ich, da liegen die Lügen zuhauf.
Und trotzdem bleib' ich dem Traume gewogen,
so läuft er sich leichter, der Lebenslauf.

(Karl Krauss)