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Montag, 25. März 2013

Frühling wo bleibst du?


Herzzeit

Herzzeit, es stehn
die Geträumten für
die Mitternachtsziffer.

Einiges sprach in die Stille, 
einiges schwieg,
einiges ging seiner Wege.

Verbannt und Verloren
waren daheim.

(Paul Celan)

Sonntag, 24. März 2013

Wings


It's my home... last night I dreamt that I grew wings
I found a place where they could hear me when I sing

Natürlich
lassen sich
auch unsere
tiefsten Gefühle
in Worte fassen.
Aber es sind
dann eben
nur noch
Worte.

(Ernst Ferstl)

Here Comes The Sun



Der Winter,
das ist auch nur eine Erfindung von Leuten,
die sowieso frieren.

(Gisela Steineckert)

Samstag, 23. März 2013


Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: Leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die Einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt. 


  (Rainer Maria Rilke)






Freitag, 22. März 2013


den dingen den lauf lassen
heisst nicht sich treiben lassen
heisst durchlässig sein für botschaften
heisst annehmen und nicht gegenstossen
heisst ja-sagen sich aufmachen
heisst fliessen lassen heisst fliessen

(traute foresti)

Donnerstag, 21. März 2013

Spring Wind



Worte

Wenn meinen Worten die Silben ausfallen vor Müdigkeit 
und auf der Schreibmaschine die dummen Fehler beginnen
wenn ich einschlafen will
und nicht mehr wachen zur täglichen Trauer
um das was geschieht in der Welt
und was ich nicht verhindern kann

beginnt da und dort ein Wort sich zu putzen und leise zu summen
und ein halber Gedanke kämmt sich und sucht einen anderen
der vielleicht noch eben an etwas gewürgt hat
was er nicht schlucken konnte
doch jetzt sich umsieht
und den halben Gedanken an der Hand nimmt und sagt zu ihm:

Komm

Und dann fliegen einige von den müden Worten
und einige Tippfehler die über sich selber lachen
mit oder ohne die halben und ganzen Gedanken
aus dem Londoner Elend über Meer und Flachland und Berge
immer wieder hinüber zur selben Stelle

Und morgens wenn du die Stufen hinuntergehst durch den Garten
und stehenbleibst und aufmerksam wirst und hinsiehst
kannst du sie sitzen sehen oder auch flattern hören
ein wenig verfroren und vielleicht noch ein wenig verloren
und immer noch ganz dumm vor Glück dass sie wirklich bei dir sind


(Erich Fried)

Mittwoch, 20. März 2013


And the world cannot be discovered 
by a journey of miles, 
no matter how long, 
but only by a spiritual journey, 
a journey of one inch, 
very arduous and humbling and joyful, 
by which we arrive at the ground at our feet, 
and learn to be at home.

(Wendell Berry)

Dienstag, 19. März 2013



What were all those dreams we shared
Those many years ago?
What were all those plans we made now
Left beside the road?
Behind us in the road

More than friends, I always pledged
Cause friends they come and go
People change, as does everything
I wanted to grow old
I just want to grow old

Slide up next to me
I'm just a human being
I will take the blame
But just the same
This is not me

You see?
Believe...

wings & roots...







Montag, 18. März 2013

Die Vergangenheit
hat mich gedichtet
ich habe
die Zukunft geerbt

Mein Atem heisst
Jetzt

(Rose Ausländer)



Wie süßer Sirup ist mir mancher Tag
Den ich mit Widerwillen runter spüle
Ich der ichs eigentlich recht herzhaft mag
Hab keine Angst vor all dem was ich fühle
Nur bin ichs leid zu klagen und zu weilen
Komm und verbrauch mit mir was traurig macht
Nur deine Trauer kann die meine heilen
Auch mein Mund
wenn ich dich zum Lachen bringe
lacht

(Hans-Eckardt Wenzel)



Sonntag, 17. März 2013

Schlaflosigkeit mit Worten

Nachts gehen die Worte
auf Zehenspitzen
bewegen sich behutsam zwischen Dingen
ziehn sich aus Angst vor Lärm die Schuhe aus.
Über meine schlaflosen Schultern flattern sie.
Das Gedicht holt mich aus meinem Bett.
So groß ist die Stille im schlafenden Haus.
Der Lärm der Hände macht mich taub.
Ich berühr Buchstaben. Streichle die Tasten,
damit sie leise ihre Nöte nennen.
Nichts kommt hervor. Es ist die Stille, die da spricht.
Und draußen die Schatten,
die am Fenster rütteln.

(Gioconda Belli)









So wie ihr Augen habt,
um das Licht zu sehen,
und Ohren, um Klänge zu hören,
so habt ihr ein Herz,
um damit die Zeit wahrzunehmen.
Und alle Zeit,
die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird,
ist verloren ... 

(Michael Ende in: Momo)


Samstag, 16. März 2013

I'm no heroine


I'm no heroine
at least, not last time I checked
I'm too easy to roll over
I'm too easy to wreck
I just write about
what I should have done
I just sing
what I wish I could say
and hope somewhere
some woman hears my music
and it helps her through her day

My life closed twice before its close;
It yet remains to see
If Immortality unveil
A third event to me

So huge, so hopeless to conceive,
As these that twice befell.
Parting is all we know of heaven,
And all we need of hell.

(Emily Dickinson)


Meine Hoffnung


In deinem Alter mein Kind,
hat jeder Mensch noch Gründe,
anzunehmen,er könnte fliegen
wie laufen lernen.
Ich werde mich hüten,
dich aufzuklären.
Vielleicht
bin doch ich es,
der sich irrt.

(Heinz Kahlau)

Freitag, 15. März 2013


Trugbild

Nie gewesen, der du sein wolltest,
der du dachtest, dass du warst.
Das falsche Kostüm
in einer verqueren Welt.

Immer mit der Lüge gegangen,
der ältesten Verlobten, nie geglaubt,
daß nächstliegende Worte

die innigsten sind. Für dich ist
die Erscheinung verwandter
als der erste Gedanke,

du hast zuviel Welt, zuviel Moos
an deinem Standbild, du stehst da
mit dem Buch, das du selbst nicht gelesen,

ein Mann aus Fleisch, der zu Kalk wurde,
ein Engel aus Schatten, allein,
gehüllt in deinen Namen
als leeren Beruf.

(Cees Nooteboom)

Donnerstag, 14. März 2013

winterabend


haut an haut
stille an haut
habe vergessen
wer du bist

die zeit ist gelöscht
und so dunkel sind die 
farben der nacht sind dunkel
trotz mondschein
zu mächtig wahrscheinlich

aber 
gemeinsam sind wir bei laune
das wegwollen
ist ja nur sehnsucht
seit der erfindung 
der vögel

(joschi anzinger)