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Mittwoch, 19. Juni 2013

Reassurance

I must love the questions
themselves
as Rilke said
like locked rooms
full of treasure
to which my blind
and groping key
does not yet fit.
and await the answers
as unsealed
letters
mailed with dubious intent
and written in a very foreign
tongue.
and in the hourly making
of myself
no thought of Time
to force, to squeeze
the space
I grow into.

(Alice Walker)
Hab überwunden
den Winter,
überwunden
die Nacht,
breche auf
mit den Knospen,
verströme
im Licht,
streiche frei
mit den Winden
um Häuser,
durch Strassen,
nehm mir die Freiheit
zu lieben.

(Annette Gonserowski)


Dienstag, 18. Juni 2013

Inselmittag

Wir sind Fremde
von Insel 
zu Insel.
Aber am Mittag, wenn uns das Meer
bis ins Bett steigt
und die Vergangenheit
wie Kielwasser
an unsern Fersen abläuft
und das tote Meerkraut am Strand
zu goldenen Bäumen wird,
dann hält uns kein Netz
der Erinnerung mehr,
wir gleiten
hinaus,
und die abgesteckten 
Meerstrassen der Fischer
und die Tiefenkarten
gelten nicht 
für uns.

(Hilde Domin)

Montag, 17. Juni 2013

Wenn du der Trauer tiefste Wurzel findest,
wirst du wie ein Baum sein,
der nah am Wasser gepflanzt ist
und nach dem Bach
die Wurzeln ausstreckt.

Du hast nichts zu fürchten,
wenn das Wasser im Sturm
über die Ufern tritt.

Du hast nichts zu befürchten,
wenn die Hitze kommt.

Deine Blätter bleiben grün,
auch in Zeiten der Dürre
kann es dir nicht bangen.

Du hörst nicht auf,
Früchte zu tragen.

Du bist mit deinen Wurzeln fest verbunden.

(Jorgos Canacakis)

Sonntag, 16. Juni 2013

Dance when you're broken open. 
Dance when you've torn the bandage off. 
Dance in the middle of fighting. 
Dance in your blood. 
Dance when you're perfectly free. 
Struck, the dancer hears a tambourine inside her, 
like a wave that crests into foam at the very top, 
Begins. 
Maybe you don't hear that tambourine, 
or the tree leaves clapping time. 
Close the ears on your head, 
that listen mostly to lies and cynical jokes. 
There are other things to see, and hear. 
Music. Dance. 
A brilliant city inside your soul

(Rumi)



Samstag, 15. Juni 2013

The truth is,
 everything will be okay 
as soon as you are 
okay with everything. 
And that's the only time 
everything will be okay.

(Michael Singer)

Sommertag






Ich gehe 
im Bett 
spazieren

Am Ufer des Ganges
und zur
Mauer Abazzia

Mein Herz
liegt in der 
rostigen
Hülle der Trauer 

Meine Wege
führen ins Wunder

(Rose Ausländer)

Freitag, 14. Juni 2013

Mohnfeld-Zauber









Den Weg, den du kommen wirst
schmücke ich mit rotem Klatschmohn,
hänge Sonnenstrahlen über die Äste der Bäume,
streue von der Nacht zuvor
den Glanz des Mondes in mein Haar.
Dann umarme ich das Warten.
Auf meinen Händen trage ich dir
das Rauschen des Windes
ein Stück entgegen.

(Margit Günther)







Donnerstag, 13. Juni 2013

Think for yourself.

“Throughout human history, as our species has faced the frightening, terrorizing fact that we do not know who we are, or where we are going in this ocean of chaos, it has been the authorities, the political, the religious, the educational authorities who attempted to comfort us by giving us order, rules, regulations, informing, forming in our minds their view of reality. To think for yourself you must question authority and learn how to put yourself in a state of vulnerable, open-mindedness; chaotic, confused, vulnerability to inform yourself.”

(Timothy Leary)
Ich habe neue Räume 
gefunden in mir
und Alte, lang schon Vergessene.
Ich betrete sie voller Erstaunen
und doch nicht überrascht.
Ich laufe darin herum
und rede laut mit mir selbst
und fange an sie auszufüllen
- manchmal gestatte ich mir
einen Hüpfer oder einen 
kleinen Gesang einen Tanz
und frage mich wieso
ich meine Enge so lang
hingenommen habe
Entschlossen
nehme ich Besitz
von mir selbst

(Hans Curt Flemming)

Mittwoch, 12. Juni 2013


We do not become healers. 
We came as healers. We are. 
Some of us are still catching up to what we are.
We do not become storytellers. 
We came as carriers of the stories 
we and our ancestors actually lived. We are. 
Some of us are still catching up to what we are.
We do not become artists. We came as artists. We are. 
Some of us are still catching up to what we are.
We do not become writers.. dancers.. musicians.. helpers.. peacemakers. 
We came as such. We are. 
Some of us are still catching up to what we are.
We do not learn to love in this sense. We came as Love. We are Love. 
Some of us are still catching up to who we truly are.

( Clarissa Pinkola Estes)



Dienstag, 11. Juni 2013

An dem Tag, an dem ich geboren wurde, 
 kamen viele Geschichten meines Lebens zur Welt. 
Jede trägt ihre eigene Wahrheit und Weisheit.

(May Ayim)



Restherz

Kein Geld für Pleiten,
kaum Zeit für Glück,
          ich lebe so panisch gern.
Verdunkeln mich auch die Motoren der Sonne,
scheint auch der Mond auf Bullen und Blut:
aushalten. Das Ende vor Augen
Anfänge machen,
gepanzert mit Verwundbarkeit,
bis an die Zähne bewaffnet mit Angst.

(Ralf Rothmann)

Montag, 10. Juni 2013



Zugvögel

Wieviele Vögel werden
das wärmere Land nie erreichen?

Werden jetzt andere vor der Kälte
in die verlassenen Nester flüchten?

Wo ist Heimat, wenn man auf Abruf wartet?
Ist es der Ort, wo man fliegen lernt?

  (Christine Busta)


Was vergangen ist fehlt mir nicht
ich misstraue der Schönheit
von gestern
nur Träume
sind schwer beim Erinnern
wenn die Kälte zunimmt, das Dunkel
und die Leere
zwischen dem Augenblick
und dem Entwurf.

  (Ingibjörg Haraldsdóttir)

Sonntag, 9. Juni 2013

Samstag, 8. Juni 2013

Die Menschen sind wie bunte Glasfenster: 
sie funkeln und leuchten, 
wenn die Sonne scheint; 

doch nach Anbruch der Dunkelheit 
wird ihr wahre Schönheit nur offenbar, 
wenn sie ein inneres Licht haben.

(Elisabeth Kübler-Ross)
Das Glück erkennen,
wenn es vor einem liegt.
Den Mut und die Entschlossenheit haben,
es aufzuheben 
und es in die Arme zu schliessen...

(Marc Levy)

Eigentlich...

Eigentlich sollte ich aufbrechen
aus der Enge verbrauchter Gewohnheiten

Eigentlich sollte ich aufhören
atemlos durch die Tage zu rennen

Eigentlich sollte ich mich weigern
fraglos zu funktionieren und zu schweigen

Eigentlich sollte ich 
das Wort Eigentlich streichen
um am Ende nicht sagen zu müssen
Eigentlich hätte ich
leben wollen

(Sabine Naegeli)

Freitag, 7. Juni 2013

Six Billion People

And all of you so beautiful
I want to bring you home with me
to sit close on the couch.

My invitation inserted in six billion bottles,
corked with bark from the final forest
and dropped in the ocean of my longing.

We would speak the language of no words,
pass the jug of our drunken joy
at being babies growing into death.

Sometimes, I know, life is stupid, pointless,
beside the point, but here’s the point —
maybe we would fall

in love, settle down together,
share the wine, the bills,
the last of the oxygen and the remote.

(Tom Chandler)

Donnerstag, 6. Juni 2013