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Montag, 11. November 2013

Novembergedanken

Manchmal
überkommt mich November
mit Dunkelheit und Kälte
fall ich ins Nebelland
falle zurück
Manchmal
ist mir nach Mai
nach Lachen und Aufbruch
fall ich unter die Sonne
falle ins Glück
manchmal
weiß ich  nicht wo ich stehe
ob  im November  im Mai
fühle Mai im November
fühle November im Mai

(Annemarie Schnitt)

Sonntag, 10. November 2013

 Manchmal spricht ein Baum
durch das Fenster mir Mut zu
Manchmal leuchtet ein Buch
als Stern auf meinem Himmel
manchmal ein Mensch,
den ich nicht kenne,
der meine Worte erkennt.

(Rose Ausländer)
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Botschaften des Regens

Nachrichten, die für mich bestimmt sind,
weitergetrommelt von Regen zu Regen,
von Schiefer- zu Ziegeldach,
eingeschleppt wie eine Krankheit,
Schmuggelgut, dem überbracht,
der es nicht haben will -

jenseits der Wand schallt das Fensterblech,
rasselnde Buchstaben, die sich zusammenfügen,
und der Regen redet
in der Sprache, von welcher ich glaubte,
niemand kenne sie außer mir -

Bestürzt vernehme ich
die Botschaften der Verzweiflung,
die Botschaften der Armut
und die Botschaften des Vorwurfs.
Es kränkt mich, daß sie an mich gerichtet sind,
denn ich fühle mich ohne Schuld.

Ich spreche es laut aus,
daß ich den Regen nicht fürchte und seine Anklagen
und den nicht, der sie mir zuschickte,
dass ich zu guter Stunde
hinausgehen und ihm antworten will.

(Günter Eich)

Samstag, 9. November 2013








Wir
zwischen Himmel und Erde
beiden hörig

Abglanz
Echo

Wirklichkeit
unser unverlässliches
Märchen

(Rose Ausländer)

Donnerstag, 7. November 2013





Herbst

Die Tauben sitzen schwer wie Steine
Der Baum im Hof verliert Gewicht
Ein alter Mann vertritt die Beine
Wird Herbst da draussen, wie ich meine

Zwölf Bänke stehn und sind vergessen
Ein Tulpenbeet hat nichts zu tun
Ein Sonnenstrahl grüsst sehr gemessen,
Den Herbst da draussen, und in mir

(Hildegard Knef)

Novembermorgen




Dienstag, 5. November 2013


In uns sind alle Leidenschaften
und alle Laster
und alle Sonnen und Sterne,
Abgründe und Höhen,
Bäume, Tiere, Wälder, Ströme.
Das sind wir.
Wir erleben
in unseren Adern,
in unseren Nerven.
Wir taumeln.
Brennend
zwischen grauen Blöcken Häuser.
Auf Brücken aus Stahl.
Licht aus tausend Röhren
umfliesst uns,
und tausend violette Nächte
ätzen scharfe Falten
in unsere Gesichter.

(George Grosz)




Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen,
ohne Not geht niemand aus,
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde,
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

(Christian Morgenstern)

Sonntag, 3. November 2013

November


Those faces you see every day 
on the streets 
were not created entirely without hope: 
be kind to them: 
like you they have not escaped.

(Charles Bukowski)
Do I dare
Disturb the universe?
In a minute there is time
For decisions and revisions 
which a minute will reverse.

(T. S. Eliot)

heimwärts


Herbstmomente












Donnerstag, 31. Oktober 2013

Weggefährte, Streckenposten, Meilenstein,
bisschen was von allem war ich, auf deiner
Wanderung von hier nach dort, blieb
überwunden zurück in einem Kaff, von
dir Phase genannt. Häutung, für die ich
nicht Schlange genug war.

(Helmut Krausser)

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Run from what’s comfortable. 
Forget safety.
Live where you fear to live. 
Destroy your reputation. 
Be notorious.

(Rumi)

Gedichte

lies sie einmal dunkel
einmal hell
lies sie mit den Augen des Mittags
und lies sie
mit den Augen der Mitternacht

 (Werner Lutz)

Dienstag, 29. Oktober 2013


Was ich gerade brauche

Ein Ort, nicht zu nah und nicht zu weit.
Ein paar Schuhe, die halten gegen jene, die Freiheit verwalten.
Etwas Schnaps für die Ewigkeit.
Eine Liebe, die dazugehört, indem sie stört.
Ein Mond, der blöd vor sich hin stiert.
Ein Gefühl, als wär ich in Reykjavik, das mich neu gebiert.
Einen Schutzengel, der mich nicht belästigt.
Die Erinnerung: Das Nichts hat meine Überzeugung gefestigt.
Ein Abendmahl, dass der Tisch sich biegt.
Und eine Wahrheit, die mich zum Ort hinüberlügt.

(Franz Hodjak)


Der Blick aus meinem Schlafzimmerfenster: 
Jeden Tag gleich und jeden Tag anders.
Und immer wieder schön.


Courage is not the absence of fear, 
but rather the judgment that 
something else is more important than fear.

(James Neil Hollingworth)

Montag, 28. Oktober 2013


Tanz auf den Feldern vertanze den Tag
noch glänzt die Sonne die Blätter im Haag
die Häusrigen decken mit Früchten und Wein
sich gegen die Sehnsucht erntevoll ein
tanz denn der Herbst spielt die Geige verstört
hat über die Narren den Taumel gleich sackweise ausgeleert

(Linard Bardill)

Herbst im Leimental







Sonntag, 27. Oktober 2013

After the storm

And there will come a time, you'll see, with no more tears.
And love will not break your heart, but dismiss your fears.

Lou Reed. You made my perfect day.

                                                                

A Blessing

On the day when
The weight deadens
On your shoulders
And you stumble,
May the clay dance
To balance you.

And when your eyes
Freeze behind
The gray window
And the ghost of loss
Gets in to you,
May a flock of colors,
Indigo, red, green
And azure blue
Come to awaken in you
A meadow of delight.

When the canvas frays
In the curach of thought
And a stain of ocean
Blackens beneath you,
May there come across the waters
A path of yellow moonlight
To bring you safely home.

May the nourishment of the earth be yours,
May the clarity of light be yours,
May the fluency of the ocean be yours,
And may the protection of the ancestors be yours.

And so may a slow
Wind work these words
Of love around you,
An invisible cloak
To mind your life.

(John O’Donohue)