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Sonntag, 5. Januar 2014

erzählt mir nichts

erzählt mir nichts.
meine flimmernden augen
haben die wolken gesehn,
in so vielen pfützen sind
meine schuhe versunken, und
so viele worte verschluckte mein
einsamer mund. was ist die welt:
ein fetzen himmel und wind
im gestrüpp. schon immer fiel
das haar mir steil vom kopf.
von anbeginn reiss ich 
die ohren auf. erzählt mir
nichts: meine füsse haben
den boden berührt.

(hans-ulrich treichel)

Frühjahrsputz

Das Sofa verlassen
Die Trägheit wegräumen
Gedanken ausschütteln

Zerbrochene Gefühle ausmisten
Die Ansprüche entrümpeln
Verblasste Träume einfärben

Verlorene Freude wieder finden
Lächeln neu lackieren
Den Antrieb umtopfen

Das Ende zum Anfang kehren
Alles gegen den Strich bürsten
Die Zukunft rein waschen

Alte Rituale einmotten
Mein Menschlein abstauben
Neue Worte suchen

(Hermine Geissler)

Samstag, 4. Januar 2014

Foto: Raphael Fünfschilling


Donnerstag, 2. Januar 2014

after the rain



Long Way Home






The place where beauty starts

Not to make loss beautiful,
But to make loss the place
Where beauty starts. Where
the heart understands
For the first time
The nature of its journey.
Love, yes. The body
of the beloved as the gift
Bestowed. But only
Temporarily. Given freely,
But now to be earned.
Given without thought,
And now loss
Has made us thoughtful.

(Gregory Orr)

Mittwoch, 1. Januar 2014

Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst.

Wege entstehen,
indem wir sie gehen.
Die vielen zugewachsenen,
wartenden Wege
von ungelebtem Leben überwuchert.

Es gibt einen Weg,
den keiner geht,
wenn Du ihn nicht gehst.
Es gibt Deinen Weg,
ein Weg, der entsteht,
wenn Du ihn gehst.

(Werner Sprenger)

Dienstag, 31. Dezember 2013

Neues Jahr


Psst

Träume deine Träume in Ruh.

Wenn du niemandem mehr traust,
Schliesse die Türen zu,
Auch deine Fenster,
Damit du nichts mehr schaust.

Sei still in deiner Stille,
Wie wenn dich niemand sieht,
Auch was dann geschieht,
Ist nicht dein Wille.

Und im dunkelsten Schatten,
Lies das Buch ohne Wort.

Was wir haben, was wir hatten,
Was wir - -
Eines Morgens ist alles fort.

(Joachim Ringelnatz)

Montag, 30. Dezember 2013


Ich fiel mir aus der Hand
Ich flügelschlagend
fiel auf den Kies
die Flügel schlagend

Mit ausgebreiteten Flügeln
ich bewahre mich nicht
mit ausgebreiteten Flügeln
verlass ich's

(Hilde Domin)

Sonntag, 29. Dezember 2013



Diesseits

Asphaltierter Himmel schüttet
eine Handvoll Flocken hin,
Eiswind klebt wie festgekittet
im Gesicht. Die Ohren glühn

und ich schreite und ich lege
was ich bin und meine Schritte
in die graupelharschen Wege,
wenn Gedanken südwärts ziehn.

An der Leine zieht die Hündin
ihren altgewohnten Kreis;
taumelnd tanzen weiße Wunder,
wintersternig. Leise, leis.

(Sabine Römmer)

Samstag, 28. Dezember 2013


Postscriptum

Was ich dir noch sagen wollte
Wenn ich dir einen Tipp geben darf
Ich meine
Ich bitte dich
um alles in der Welt
und wider besseres Wissen:

Halte dich nicht schadlos
Zieh den Kürzeren
Lass dir etwas entgehen

(Eva Zeller)

Winter Lady


Freitag, 27. Dezember 2013

Nach Sturmfahrten und Flautentreiben
auf der hohen See des Lebens
sehne ich mich danach
bei dir Anker zu werfen
die Segel zu streichen
die Ruder einzuziehen
das Steuerrad aus der Hand zu geben
in deinen Hafen einzulaufen
bei dir anzulegen
festen Boden unter den Füssen zu spüren
beim Anblick deiner offenen Arme

(Margot Bickel)

Lebenswege

Es gibt Wege
die sind zu gehen
weil der Fluss
seinem Lauf folgen muss
um sich selbst zu sein
weil der Mensch
eine Sehnsucht mitbekommen hat
die ihn lebendig hält
Daran werden sich unsere
Lebenswege messen lassen:
Ob an ihren Ufern
das Leben gedeiht.

(Thomas Schied)

I fall in Love regularly,
with each person who
passes me in the streets,
or who sits beside me on the bus.
Not in the romantic way;
I sit, quietly observing
all of their body language and
all of their expressions.
Their smiles, and gestures;
I watch vigilantly, tracking the
manners and movements,
appreciating all that these
people are.
I study the details of
these people,that they may
otherwise go unnoticed.
Researching each of them,
noting our similarities, and
rejoicing in the beauty of
human nature.

(Simon Frederick Portraitist)

Dienstag, 24. Dezember 2013

Wieder Weihnachten
und du
zündest ein Licht
am Rande des Tages
am Rande des Jahres
auszuleuchten
die Wege weiter
wieder Weihnachten
und du
hältst an am
geheimen Meilenstein
mitten im Raum

(Annemarie Schnitt)

Montag, 23. Dezember 2013

Die Pinguin-Geschichte oder: Wie man sich in seinem Element fühlt













Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. (...) 
Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.
Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!“
Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.
Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug!
Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und Schwimm!
Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.

(Eckart von Hirschhausen)                            (Foto: Raphael Fünfschilling)

Foto: Raphael Fünfschilling

Sonntag, 22. Dezember 2013

Zeichen setzen
Die Türen des Jahres öffnen sich,
wie einst die Sprache, dem Unbekannten entgegen.
Gestern abend sagtest du zu mir:
Morgen gilt es, ein paar Zeichen zu setzen,
eine Landschaft zu skizzieren, einen Plan zu entwerfen
auf der Doppelseite
des Papieres und des Tages.
Morgen gilt es,
aufs Neue
die Wirklichkeit dieser Welt zu erfinden

(Octavio Paz)

Samstag, 21. Dezember 2013

Wie die Weisen
Prüfen und Abwägen
Beobachten und Berechnen
Wie die Weisen
Neugierig sein 
und auf der Spur bleiben
Wie die Weisen
Forschen und Ausschau halten 
Lehren und Lernen
Wie die Weisen 
Träume erfahren
Auf Antwort warten
Wie die Weisen
Umkehren
und den Weg ändern
Wie die Weisen
Die Ratlosigkeit ertragen
Unterwegs sein und ankommen
Wie die Weisen
Nach den Sternen greifen
und den Menschen finden 

(Kurt Wolf) 

Freitag, 20. Dezember 2013

                               "In diesem Kopf ist kein Platz mehr..."