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Dienstag, 28. Januar 2014

Ideen macht euch auf
Zur Utopie über Seen
Fensterflügel, fliegt.

(Katharina Zaugg)

Montag, 27. Januar 2014

So kann man leben:
jeden Tag
ein paar Sätze aufschreiben.
Andere sind Arzt
oder fahren Omnibus.
Buchstaben geraten aneinander,
kämpfen
etwas aus.
Manches stimmt für eine Weile,
obwohl es
nicht wahr ist.
Die Nützlichkeit des Unnützen:
eine Rangfrage.
Was geschieht
anderswo
in der Sekunde, in der
ein Komma erwogen wird.

(Rainer Malkowski)

Sonntag, 26. Januar 2014


Das Schreiben eines Lebenslaufes

Was ist zu tun?
Ein Antrag ist einzureichen,
dazu ein Lebenslauf.
Ungeachtet der Länge des Lebens
hat der Lebenslauf kurz zu sein.

Geboten sind Bündigkeit und eine Auswahl von Fakten.
Die Landschaften sind durch Anschriften zu ersetzen,
labile Erinnerungen durch konstante Daten.

Von allen Lieben genügt die eheliche,
nur die geborenen Kinder zählen.

Wichtig ist, wer dich kennt, nicht, wen du kennst.
Reisen, nur die ins Ausland.
Zugehörig wozu, aber ohne weshalb.
Preise, ohne wofür.

Schreibe, als hättest du niemals mit dir gesprochen
und dich von weitem gemieden.

Umgehe mit Schweigen Hunde, Katzen und Vögel,
den Erinnerungskleinkram, Freunde und Träume.

Es gilt der Preis, nicht der Wert,
der Titel, nicht dessen Inhalt,
die Schuhgröße, nicht wo
der Mensch, für den man dich hält, hingeht.

Dazu eine Fotografie mit entblößtem Ohr.
Wichtig ist seine Form, nicht, was es hört.
Was es hört.
Das Knirschen des Papierwolfs.

(Wislawa Szymborska)

Im neuen Jahr
grüsse ich
meine nahen und
die fernen Freunde
grüsse die
geliebten Toten
grüsse alle
Einsamen
grüsse die Künstler
die mit
Worten Bildern Tönen
mich beglücken
grüsse die
verschollenen Engel
grüsse mich selber
mit dem Zuruf
Mut

(Rose Ausländer)


Samstag, 25. Januar 2014

flugbild

es ist
als hätt ich
begonnen
zu fliegen:

dieses gefühl der

kraft und
entfaltung
und
die angst vor der
tiefe
in die ich
fallen könnte

als ob ich fürchte

unterwegs
das fliegen
zu verlernen.

(h.c. flemming)




Freitag, 24. Januar 2014

If I ever do see you again



Greg Brown (Album: Further In)

Donnerstag, 23. Januar 2014


Die Wolken, sagst du, 
der Wind und der Regen, 
die Steine, sagst du, 
die Nacht und der Tag 

Wenn es ihn gäbe, 
den Wind und den Regen, 
wenn es sie gäbe, 
die Nacht und die Steine 

Wenn es dich gäbe, 
wir liebten uns längst

(Hans-Ulrich Treichel)

Mittwoch, 22. Januar 2014

Ich an mich

Stürmt es kühl aus fernen Himmeln
schliess ich nicht das Fenster zu
will im Innern nicht verschimmeln
will den Sturm, will keine Ruh.

„Innen sein“ heißt nicht Verschliessen
„Äussern“ heißt nicht Ausverkauf.
Stille ist ein stetes Fliessen
jeder Stern nimmt seinen Lauf.

Willst du nur die Nähe sehen
tötest deine Sehnsucht ab –
kannst nichts Ärgers begehen
schaufelst deiner Seele Grab.

Lass die Ängste dich berühren
auch die Zweifel, auch die Nacht –
nicht zur Blindheit dich verführen
weil der Aus-blick Mühe macht!

 (Erika Pluhar)
Nicht mehr
so dahinleben
und dich leben lassen
von den alltäglichen Pflichten,
von der oberflächlichen
Unterhaltung,
von den Erwartungen,
die andere Menschen
an dich stellen.

Eines Morgens früh
aufstehen
und einen Weg suchen,
der dir Klarheit bringt
über das,
was dich in der Tiefe bewegt,
was du selbst für dich willst,
was dir wichtig
und wesentlich ist.

(Christa Spilling-Nöker)

Dienstag, 21. Januar 2014

Ich zähle die Regentropfen an den Zweigen,
sie glänzen, aber sie fallen nicht,
schimmernde Schnüre von Tropfen
an den kahlen Zweigen.
Die Wiese sieht mich an
mit großen Augen aus Wasser.
Die goldgrünen Weidenkätzchen
haben ein triefendes Fell.
Keine Biene besucht sie.
Ich will sie einladen
sich an meinem Ofen zu trocknen.

Ich sitze auf einem Berg
und habe alles,
das Dach und die Wände,
das Bett und den Tisch,
den heißen Regen im Badezimmer
und den Ofen mit löwenfarbener Mähne,
der atmet wie ein Tier
oder ein Mitmensch.
Und die Postfrau
die den Brief bringen würde
auf meinen Berg.

Aber die Weidenkätzchen
treten nicht ein
und der Brief kommt nicht,
denn die Regentropfen
wollen sich nicht zählen lassen.

(Hilde Domin)

Sonntag, 19. Januar 2014

Rise and Shine

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein



Eine Hängematte spannen, von Sonntag zu Sonntag
und den Alltag in die Wüste schicken.
Nichts wollen, nichts müssen, die Zeit anhalten,
zur Ruhe kommen und einfach nur da sein.

(Jochen Mariss)


Liebes Leben


Samstag, 18. Januar 2014

Freitag, 17. Januar 2014

Beichte

Immer die gleiche Rose.
Immer das gleiche Gesicht.
Unter wechselndem Monde.
Unter wechselndem Licht.

Immer die gleiche Tollheit.
Immer der gleiche Traum.
Immer noch keine Weisheit.
Immer noch nicht: wie ein Baum.

 (Eva Strittmatter)


Dienstag, 14. Januar 2014

Study me as much as you like, 
you will not know me,
 for I differ in a hundred ways 
from what you see me to be. 
Put yourself behind my eyes 
and see me as I see myself,
 for I have chosen to dwell
 in a place you cannot see.

(Rumi)
Ich dachte lange Zeit, 
dass ich die merkwürdigste Person auf der Welt bin, 
doch dann dachte ich, 
dass es so viele Menschen auf der Welt gibt, 
dass es noch jemanden wie mich geben muss, 
jemanden, der sich auf die gleiche Weise 
wie ich bizarr und fehlerhaft fühlt. 
Ich stelle sie mir vor, 
und ich stelle mir vor, 
dass sie irgendwo da draussen ist, 
und dass sie auch an mich denkt. 
Nun, ich hoffe, 
dass falls du da draussen bist 
und dies liest, 
du weisst, ja, es ist wahr, 
ich bin hier, 
und ich bin ebenso eigenartig wie du.

(Frida Kahlo)

Montag, 13. Januar 2014

Spinner

Das geht raus an alle Spinner
Weil alles ohne Sinn wär
Ohne Spinner wie dich und mich

Sonntag, 12. Januar 2014


(Gedicht: Angela Fahlke)

Lifeline



Original: Gus McGregor

Donnerstag, 9. Januar 2014

Schöner

Schöner sind die Gedichte des Glücks.

Wie die Blüte schöner ist als der Stengel
der sie doch treibt
sind schöner die Gedichte des Glücks.

Wie der Vogel schöner ist als das Ei
wie es schön ist wenn Licht wird
ist schöner das Glück.

Und sind schöner die Gedichte
die ich nicht schreiben werde.

(Hilde Domin)

Mittwoch, 8. Januar 2014

Collapsible Plans

Life is what's happening
While you’re busy making other plans....

Montag, 6. Januar 2014

The Guest House

This being human is a guest house.
Every morning a new arrival.

A joy, a depression, a meanness,
some momentary awareness comes
as an unexpected visitor.

Welcome and entertain them all!
Even if they are a crowd of sorrows,
who violently sweep your house
empty of its furniture,
still, treat each guest honorably.
He may be clearing you out
for some new delight.

The dark thought, the shame, the malice.
meet them at the door laughing and invite them in.

Be grateful for whatever comes.
because each has been sent
as a guide from beyond.

(Jelaluddin Rumi)
Your first kiss isn’t as important as your last. 
The math test really didn’t matter. 
The pie really did. 
The stuff you’re good at 
and the stuff you’re bad at 
are just different parts of the same thing. 
Same goes for the people you love 
and the people you don’t
and the people who love you 
and the people who don’t.
The only thing that mattered 
was that you cared about a few people. 
Life is really, really short.

(Ethan Wate, Beautiful Chaos)

Sonntag, 5. Januar 2014

Immer von neuem entsteht die Frage:
Was sollen wir tun?
Es gibt täuschende Tage,
Da scheinen wir in uns, gesichert, zu ruhn.
Wir kennen den Weg und wissen die Wahrheit. 
Und die Erde ist ein für allemal rund.
Doch hinter der scheinbar äussersten Klarheit
Gibt es noch einen dunkleren Grund.
Und Zweifel sind möglich und finden uns wieder,
Wenn wir endlich mit uns im reineren waren.
Und so kann es geschehn: unsre süssesten Lieder
Sind gepresst aus unseren bittersten Jahren.

(Eva Strittmatter)