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Samstag, 23. Juli 2016
Montag, 18. Juli 2016
Meine Wörter
Meine Wörter hab ich
mir ausgezogen
bis sie dalagen
atmend und nackt
mir unter der Zunge.
Ich dreh sie um
spuck sie aus
saug sie ein
blas sie auf
spann sie an
von Kopf bis Fu
spann sie auf
Mach sie gross
wie ein Raumschiff zum Mond
und klein wie ein Kind.
Überall suche ich die Zeile
die mir sagt
wo ich mich find
(Ulla Hahn)
Mittwoch, 6. Juli 2016
Auf dem Heimweg
Wir gehen so dahin
fast wie neu geboren
wartend in Geduld
und lauschend der Stimme
des andern Tages
der in uns beginnt
...
Und hören nicht auf zu wandern
bis wir verwandelt sind
(Marie Luise Kaschnitz)
Sonntag, 3. Juli 2016
Schrift und Gegenschrift
Wenn wir schreiben,
tun wir es auch heute
− lebend in einem provisorischen Zustand −
mit einer Feder
aus den Flügeln des Ikarus,
der Gegenschrift folgend,
die aus Pflanzen, Tieren, Menschen
besteht, aus dem Zerfall, der
eingeboren ist allem Werden,
aus Steinen und Wellen, den grossen
Unternehmungen der Landschaft
und dem Labyrinth, zu dem
jeder Weg werden kann.
(Walter Helmut Fritz)
Samstag, 25. Juni 2016
Donnerstag, 23. Juni 2016
Samstag, 11. Juni 2016
Alltag
Gehen, wohin ich muss
Einen jungen Baum pflanzen
Den Garten loben, auch wenn es lange regnet
Das Rad ölen
und die Bremse prüfen
Die Zeitung lesen, ohne den Wunsch auszuwandern
Freunde empfangen
Vergessen können
Rosen oder Hühner?
Gedichte schreiben
und nicht auf die Musik der Bassgeigen
am Himmel hören
der blau oder bewölkt ist.
(Rainer Brambach)
Montag, 6. Juni 2016
Fazit
gelacht
geweint
gefragt
gefehlt
gegrübelt
getastet
gesucht
gerungen
gesprungen
geliebt
geherzt
gescherzt
gehalten
getragen
gesungen
gesponnen
geflogen
gestrauchelt
geglaubt
gestrandet
gelandet
gelebt
(Annemarie Schnitt)
Sonntag, 5. Juni 2016
Sonntag, 29. Mai 2016
Donnerstag, 26. Mai 2016
ich wollte sehen. woher alles schöne auf der welt
kommt. wenn du nicht bei mir bist
schleppte mein herz über wiesen und felder
füllte meine taschen mit blüten und blumen. doch
dann bemerkte ich. wie sehr ich dich vermisse
im glanz eines jeden lebendigen –
anemone malve lavendel jasmin
du bist das wunder meines frühlings
meine erde
mein himmel
glück
(Rea Revekka Poulharidou)
Sonntag, 15. Mai 2016
Donnerstag, 12. Mai 2016
Es tagt
Mit blossen Armen
schwerelos
umarmt
der Tag
die Nacht
Sterngirlanden
verlöschen
entschwinden
in den weissen
Gewölben
des Himmels
Über den Horizont
kommt die Sonne zur Welt.
Luisa Famos)
Sonntag, 1. Mai 2016
Ziemlich viel Glück
Ziemlich viel Glück
Gehört dazu,
Dass ein Körper auf der Luft
Zu schweben beginne
Mit Brust, Achsel und Knie
Und auf dieser Luft
einem anderen Körper begegne,
Wie er
Unterwegs.
Die Atmosphäre macht
Zwei innige Torsen aus ihnen.
Unbemerkt beschreibt ihr Entzücken
Zärtliche Linien in Baumkronen.
Eine ganze Zeit noch
Ist Ihr Flüstern zu vernehmen,
Und wie sie einander
Das schenken,
Was leicht an Ihnen ist.
Glücklichsein beginnt immer
Ein wenig über der Erde.
(Karl Krolow)
Donnerstag, 28. April 2016
I stood willingly and gladly
in the characters of everything
other people, trees, clouds.
And this is what I learned,
that the world's otherness
is antidote to confusion,
that standing within this otherness
the beauty and the mystery of the world,
out in the fields or deep inside books
can re-dignify the worst-stung heart.
(Mary Oliver)
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Gerne und freiwillig
habe ich mich in die Rolle von allem begeben
andere Menschen, Bäume, Wolken.
Und dies habe ich gelernt:
dass das Anders-Sein der Welt
das Gegenmittel für Verwirrung ist
dass das Sein mit dem Anders-Sein
der Schönheit und dem Geheimnis der Welt,
draussen auf den Feldern oder tief in Büchern versunken
auch das schmerzendste Herz
wieder in seinen würdigen Zustand versetzen kann.
(Mary Oliver)
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