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Mittwoch, 27. Juli 2016

A longing for something so indefinite as to be indefinable.
Love affairs, miseries of life, the way things were, 
people already dead, those who left 
and the ocean that tossed them on the shores of a different land 
- all things born of the soul that can only be felt.

(Anthony De Sa)

unterwegs




Dienstag, 26. Juli 2016

Der Traum war mir immer voraus.
Ihn einzuholen, 
einen Augenblick im Einklang mit ihm zu leben,
war das Wunder.

(Anais Nin)

südwärts



Die notwendigen Fragen

Wer bestimmt über Deine Zeit?
Über wessen Zeit bestimmst Du?
Wer ernährt Dich? Wen ernährst Du?
Wer lehrt Dich? Wen lehrst Du?
Wer liebt Dich? Wen liebst Du?
Wer tauscht sich aus mit Dir?
Wer besitzt Dich, besetzt Dich?
Wen besitzt Du, von wem bist Du besessen?
Wer bestimmt über Deine Gedanken?
In wessen Gedanken bist Du?
Wem bist Du etwas schuldig?
Wer ist Dir etwas schuldig geblieben?
Wer geht Dir durch den Kopf?
Wer geht Dir unter die Haut?
Was treibt und jagt Dich?
Wer plagt Dich? Wer ist Dir eine Last?
...Jetzt weisst Du was Du hast.

(Luisa Francia)

Samstag, 23. Juli 2016

Morgen wirst du ein anderer sein
und leben in einem anderen Land
du wirst eine Sprache sprechen
die dich mutig macht
du wirst geduldig warten
bis der Fluss wieder erwacht
von der Quelle bis zur Mündung

(Werner Lutz)

Montag, 18. Juli 2016


Meine Wörter

Meine Wörter hab ich
mir ausgezogen
bis sie dalagen
atmend und nackt
mir unter der Zunge.

Ich dreh sie um
spuck sie aus
saug sie ein
blas sie auf

spann sie an
von Kopf bis Fu
spann sie auf

Mach sie gross
wie ein Raumschiff zum Mond
und klein wie ein Kind.
Überall suche ich die Zeile
die mir sagt
wo ich mich find

(Ulla Hahn)

Mittwoch, 6. Juli 2016

Sommergrün


"Grün die Farbe des Glücks"

(Rose Ausländer)

Auf dem Heimweg

Wir gehen so dahin
fast wie neu geboren
wartend in Geduld
und lauschend der Stimme
des andern Tages
der in uns beginnt
...
Und hören nicht auf zu wandern
bis wir verwandelt sind

(Marie Luise Kaschnitz)

Sonntag, 3. Juli 2016


Lyrik

das Nichtwort
ausgespannt
zwischen
Wort und Wort

(Hilde Domin)

Schrift und Gegenschrift

Wenn wir schreiben,
tun wir es auch heute
− lebend in einem provisorischen Zustand −
mit einer Feder
aus den Flügeln des Ikarus,
der Gegenschrift folgend,
die aus Pflanzen, Tieren, Menschen
besteht, aus dem Zerfall, der
eingeboren ist allem Werden,
aus Steinen und Wellen, den grossen
Unternehmungen der Landschaft
und dem Labyrinth, zu dem
jeder Weg werden kann.

(Walter Helmut Fritz)

Samstag, 25. Juni 2016


Biegsam

Bin ich geworden

Gleich dem Wind
Verwinde Weiten
Besteigen Höhen
Umschleiche Ecken
Ziehe bergabwärts
Gehe durch Öhren
Wehe über Felder
Wo fremder Honig reift

Biegsam
Bin ich geworden
Dem Winde
Einer Herbstdämmerstunde
Gleich und auch
Einsam

(Galsan Tschinag)

Donnerstag, 23. Juni 2016


deine träume, die lieder deines herzens will ich beschützen.
sie in blauen wolkenstoff hüllen.
weit entfernt von den groben händen dieser welt

(Rea Revekka Poulharidou)

Sonntag, 19. Juni 2016

Samstag, 11. Juni 2016

Alltag

Gehen, wohin ich muss 
Einen jungen Baum pflanzen 
Den Garten loben, auch wenn es lange regnet 
Das Rad ölen 
und die Bremse prüfen 
Die Zeitung lesen, ohne den Wunsch auszuwandern 
Freunde empfangen 
Vergessen können 
Rosen oder Hühner? 
Gedichte schreiben 
und nicht auf die Musik der Bassgeigen 
am Himmel hören 
der blau oder bewölkt ist.

(Rainer Brambach)

Montag, 6. Juni 2016

Fazit

gelacht
geweint
gefragt
gefehlt
gegrübelt
getastet
gesucht
gerungen
gesprungen
geliebt
geherzt
gescherzt
gehalten
getragen
gesungen
gesponnen
geflogen
gestrauchelt
geglaubt
gestrandet
gelandet

gelebt


(Annemarie Schnitt)

Sonntag, 5. Juni 2016

Diesen Sommertag
trage ich in mir
ein Stück Paradies
aus Himmels Ferne
Licht und Wärme
festzuhalten
für frostige Zeiten.

(Annemarie Schnitt)


wogendes mohnblumenfeld
die münder geöffnet
zur sonne hin

heute ist der tag
uns hinzugeben
zu ertrinken

im rauschenden rot
der liebe

(Rea Revekka Poulharidou)


Sonntag, 29. Mai 2016

die grünen frühlingsaltäre
vor denen du zur ruhe kommst
die unnachahmliche frische
mit der die flüsse
ihr blut kraftvoll durch die adern
der wälder treiben
und im gewitter der blattkaskaden
mit ihrem drängen
ein ganzes leben erneuern

(Hermann Josef Schmitz )

Donnerstag, 26. Mai 2016


ich wollte sehen. woher alles schöne auf der welt
kommt. wenn du nicht bei mir bist

schleppte mein herz über wiesen und felder
füllte meine taschen mit blüten und blumen. doch

dann bemerkte ich. wie sehr ich dich vermisse
im glanz eines jeden lebendigen –

anemone malve lavendel jasmin
du bist das wunder meines frühlings

meine erde
mein himmel

glück

(Rea Revekka Poulharidou)

Sonntag, 15. Mai 2016


In der Schatzkammer der Tage
hüte ich
die glücklichen Stunden
sind unvergänglich
in meiner langen Nacht
schenken sie mir
Leuchtkraft
für den Weg
zurück
zu Anfang und Ende
beginne ich
mich zu verwandeln
im hellsten Schlaf
bin ich
ein Stern

(Mario Wirz)