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Montag, 11. Dezember 2017
Im Wachtraum kam
Vom Flüstern eines Baumes mir
Erinnerung an eine Zeit,
da blättern war mein Haar und ich
mit Wurzeln griff, mit Knospen fühlte,
den Himmel atmete, die Erde trank,
und manchmal, schmal und lautlos, trat
in eure innige Geschichte:
ein leichtes Wehen, ein Wink, ein Lächeln
im Äthergold.
(Erika Burkart)
Sonntag, 10. Dezember 2017
winterliebesgedicht
weilessokaltist
ziehensichdiewörterzusammen
aufdempapier
undwir
rückenauchganznah
zusammen
dannkönnenwiruns
liebenundwärmen
winterdukannstunsmal
(Hans-Curt Fleming)
Freitag, 1. Dezember 2017
Abspann
Abends, nach den späten
Filmen, wenn du dich aus
der Leinwand schälst und
wieder nackt und wund
im eigenen Leben stehst:
Lösch rasch das Licht
damit die Nacht aufgeht
die allen Kummer
allen Krempel auf ihren
Grossen Wagen lädt.
(Klaus Merz)
Samstag, 25. November 2017
Auskunft über Gedichte
Manchmal ist ein Gedicht
eine schüchterne Hand,
die sich im Dunkeln zu einem
Nächsten hinstreckt.
Du, ich bin da.
Ich freu mich, ich leide
ich bin nachdenklich wie du.
Ich bin müde
und kann auch nicht schlafen.
(Christine Busta)
Botschafter
Woher kommen die Wörter?
Ihr Stimmengeschwirr, ihr Flüstern, Turteln
die grellen Rufe heiseren Schreie?
Zugvögel sind es
uns zugeflogen aus anderen Zeitzonen
Die vor uns lebten haben sie angelockt
die Futterbretter der Träume
auch in Mangelzeiten
gut bestreut
auf den Flügeln der Wörter die Reise
gewagt in die Gedanken der Zukunft
Was wären wir ohne die Wörter
die schwirrenden
Botschafter?
Sässen im Käfig und fänden
die Tür nicht vom
Ich zum Du.
(Eveline Hasler)
Montag, 20. November 2017
Mittwoch, 8. November 2017
Donnerstag, 2. November 2017
Sonntag, 29. Oktober 2017
Sonntag, 22. Oktober 2017
Unruhige Zeiten, mein Schatz. Gut, dass fast immer
unsere Liebe in wilder Bewegung war,
mal ein Palast, oft nur ein schäbiges Zimmer,
schmerzvoll lebendig, doch immer wunderbar.
Ach, wer auf Häuser baut,
den schreckt jedes Beben,
wer sich den Banken verschreibt,
den versklavt ihre Macht.
Wer seinem Staat vertraut, der muss damit leben,
dass was heute noch Recht ist, oft Unrecht wird über Nacht.
Aber dennoch nicht verzagen,
überstehen.
Leben heisst Brücken schlagen
über Ströme, die vergehen.
(Konstantin Wecker)
Sonntag, 15. Oktober 2017
Sachensucher
"Was ihr machen wollt, weiss ich nicht", sagte Pippi.
"Ich werde jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen.
Ich bin nämlich ein Sachensucher,
und da hat man niemals eine freie Stunde."
(Astrid Lingren, in: Pippi Langstrumpf)
Freitag, 13. Oktober 2017
mir die Liebe nicht
stehlen lassen
von denen
die nicht lieben können.
mir meine Hoffnung nicht
nehmen lassen
von denen
die fertig sind mit dem Leben.
mir die Kraft nicht
absprechen lassen
von denen
die sich nicht hingeben.
liebend sein
verletzbar bleiben
das Leben riskieren
mich schutzlos hingeben.
und das
Recht des Menschen schützen
zu lieben
und geliebt zu werden.
(Andrea Schwarz)
Wo du geliebt wirst,
kannst du getrost alle Masken ablegen,
darfst du dich frei und ganz offen bewegen.
Wo du geliebt wirst,
zählst du nicht nur als Artist,
wo du geliebt wirst,
darfst du so sein, wie du bist.
Wo du geliebt wirst,
mußt du nicht immer nur lachen,
darfst du es wagen, auch traurig zu sein.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Fehler machen
und du bist trotzdem nicht hässlich und klein.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Schwächen zeigen
oder den fehlenden Mut,
brauchst du die Ängste nicht zu verschweigen,
wie das der Furchtsame tut.
Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Sehnsüchte haben,
manchmal ein Träumender sein,
und für Versäumnisse, fehlende Gaben
räumt man dir mildernde Umstände ein.
Wo du geliebt wirst,
brauchst du nicht ständig zu fragen
nach dem vermeintlichen Preis.
Du wirst von der Liebe getragen,
wenn auch unmerklich und leis.
(Elli Michler)
Donnerstag, 12. Oktober 2017
genauer wünschen lernen
In einem rhythmus leben mit dir
über die gleichen vögel lachen
zusammen aufstehen murren und arbeiten gehen
hungrig werden und mit dir kochen
In einem rhythmus leben gegen dich
lieben wollen wenn du lesen willst
diskutieren wenn du weinst
nüchtern sein wenn du dich betrinkst
Wünschen möchte ich lernen
mit dir und gegen dich
da sein möcht ich für dich
ohne mich aufzulösen
Dein bin ich und nicht dein
aber immer noch vielmehr dein
als ich je mein war
was man genau genommen
für einen gottesbeweis halten kann
(Dorothee Sölle)
Mittwoch, 11. Oktober 2017
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