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Montag, 16. Januar 2012
ikarus
das herz randvoll
mit himmel
als die erde
mein raubvogel
immer größer
und dunkler werdend
mich mitten
im flüchtigen traum
schlug
mit himmel
als die erde
mein raubvogel
immer größer
und dunkler werdend
mich mitten
im flüchtigen traum
schlug
(doris runge)
Samstag, 14. Januar 2012
immer tiefer
Sag, in was schreibe ich deinen Namen?
In den Himmel?
Der ist zu hoch
In die Wolken?
Die sind zu flüchtig
In den Baum
der gefällt und verbrannt wird?
Ins Wasser
das alles fortschwemmt?
In die Erde
die man zertritt
und in der nur die Toten liegen?
Sag, in was schreibe ich deinen Namen?
In mich und in mich
Und immer tiefer in mich
(Erich Fried)
Freitag, 13. Januar 2012
Manchmal
in seltenen Stunden,
spürst du auf einmal
nahe dem Herzen, am
Schulterblatt schmerzlich die Stelle,
an der uns
wie man erzählt, vor
Zeiten ein Flügel bestimmt
war, den wir verloren.
Manchmal
regt sich dann
etwas in dir, ein Verlangen,
wie soll ich's erklären,
ein unwiderstehliches Streben,
leichter und freier zu leben
und dich zu erheben und
hoch über allem zu schweben.
Manchmal,
nur einen Augenblick lang -
dann ist es vorbei -
erkennst du dein wahres
Gesicht, du ahnst, wer du
sein könntest und solltest.
Dann ist es vorbei.
Und du bist, wie du bist.
Du tust, was zu tun ist.
Und du vergisst.
(Lothar Zenetti)
Donnerstag, 12. Januar 2012
Mittwoch, 11. Januar 2012
Alles
Weite im Kopf
Im Herzen Welten
Die Füße auf der Erde
Will ich in die Wolken
Im Herzen Welten
Die Füße auf der Erde
Will ich in die Wolken
Mein Unglück
unbeständig wie das Glück
unbeständig wie das Glück
Werfen möchte ich mich in diesen Wandel
Tanzen und reiten im Augenblick
Tanzen und reiten im Augenblick
Vogel werden
Himmel sein
Schwimmend ein Meer
Himmel sein
Schwimmend ein Meer
Aber immer gehen wir schlafen
mit Gedanken an kommende Jahre
glauben Alles, Allesallesalles sei für immer so!
mit Gedanken an kommende Jahre
glauben Alles, Allesallesalles sei für immer so!
Was würde mir fehlen ohne mein Leben?
Das Leben!
Alles!
Allesallesalles!
Alles!
Allesallesalles!
Könnten doch alle
sich wie Blütensamen
dem Wind anvertrauen
frei von morgen und gestern
wie Blitze in der Dunkelheit
sich wie Blütensamen
dem Wind anvertrauen
frei von morgen und gestern
wie Blitze in der Dunkelheit
Den Himmel in der Tasche
unsere sehnsucht nach welt, unser verlangen nach den grossen und flachen horizonten, nach masten und molen, nach gras auf den dünen, nach spiegelnden grachten, nach wolken über dem offenen meer; unser verlangen nach wasser, das uns verbindet mit allen küsten dieser erde; unser heimweh nach der ferne.
(max frisch)
(max frisch)
Dienstag, 10. Januar 2012
alt und neu
Mit alten und neuen
Landschaften
Landschaften
neuen und alten Worten
verlorenen und wiedergefundenen
Freunden
Freunden
leben
Blicke deuten
Vor dem Abgrund
die Augen nicht schließen
die Augen nicht schließen
Sich mit Altem zufriedengeben
protestieren
protestieren
Endlos
von neuem anfangen
von neuem anfangen
(Rose Ausländer)
Montag, 9. Januar 2012
Sonntag, 8. Januar 2012
“I love your silence. It is so wise. It listens. It invites warmth. I love your loneliness. It is brave. It makes the universe want to protect you. You have the loneliness that all true heroes have, a loneliness that is a deep sea, within which the fishes of mystery dwell. I love your quest. It is noble. It has greatness in it. Only one who is born under a blessed star would set sail across the billowing waves and the wild squalls, because of a dream. I love your dream. It is magical. Only those who truly love and who are truly strong can sustain their lives as a dream. You dwell in your own enchantment. Life throws stones at you, but your love and your dream change those stones into the flowers of discovery. Even if you lose, or are defeated by things, your triumph will always be exemplary. And if no one knows it, then there are places that do. People like you enrich the dreams of the world, and it is dreams that create history. People like you are the unknowing transformers of things, protected by your own fairy-tale, by love.”
(Ben Okri, Astonishing the Gods)
(Ben Okri, Astonishing the Gods)
Samstag, 7. Januar 2012
Die Dinge singen hör ich so gern
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heisst Hund und jenes heisst Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heisst Hund und jenes heisst Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
(Rilke)
Freitag, 6. Januar 2012
was brauchst du? einen baum ein haus zu
ermessen wie gross wie klein das leben als mensch
wie gross wie klein wenn du aufblickst zur krone
dich verlierst in grüner üppiger schönheit
wie gross wie klein bedenkst du wie kurz
dein leben vergleichst du es mit dem leben der bäume
du brauchst einen baum du brauchst ein haus
keines für dich allein nur einen winkel ein dach
zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen
zu schreiben zu schweigen zu sehen den freund
die gestirne das gras die blume den himmel
(friederike mayröcker)
ermessen wie gross wie klein das leben als mensch
wie gross wie klein wenn du aufblickst zur krone
dich verlierst in grüner üppiger schönheit
wie gross wie klein bedenkst du wie kurz
dein leben vergleichst du es mit dem leben der bäume
du brauchst einen baum du brauchst ein haus
keines für dich allein nur einen winkel ein dach
zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen
zu schreiben zu schweigen zu sehen den freund
die gestirne das gras die blume den himmel
(friederike mayröcker)
Donnerstag, 5. Januar 2012
Mittwoch, 4. Januar 2012
ALIVE
“You live like this, sheltered, in a delicate world, and you believe you are living. Then you read a book, or you take a trip, or you talk with Richard, and you discover that you are not living, that you are hibernating. The symptoms of hibernating are easily detectable: first, restlessness. The second symptom (when hibernating becomes dangerous and might degenerate into death): absence of pleasure. That is all. It appears like an innocuous illness. Monotony, boredom, death. Millions live like this(or die like this) without knowing it. They work in offices. They drive a car. They picnic with their families. They raise children. And then some shock treatment takes place, a person, a book, a song, and it awakens them and saves them from death."
"Man lebt so dahin, geborgen in einer Welt der Empfindsamkeit, und man glaubt zu leben. Dann liest man ein Buch, oder man macht eine Reise, oder man spricht mit Richard und man entdeckt, daß man nicht lebt, sondern in einem Winterschlaf versunken ist. Die Symptome des Winterschlafes sind leicht zu erkennen. Zuerst: die Rastlosigkeit. Das zweite Symptom (wenn der Winterschlaf gefährlich wird und in den Tod übergehen könnte): Fehlen des Vergnügens. Das ist alles. Es sieht wie eine harmlose Krankheit aus. Monotonie, Langeweile, Tod. Millionen leben so (oder sterben so), ohne es zu wissen. Sie arbeiten in Büros. Sie chauffieren einen Wagen. Sie picknicken mit ihren Familien. Sie ziehen Kinder auf. Und dann trifft sie ein Schock, ein Mensch, ein Buch, ein Lied, und weckt sie auf und rettet sie vor dem Tode."(Anais Nin, Tagebücher)
Dienstag, 3. Januar 2012
Leben heisst lernen,
dass wir uns Zeit nehmen müssen,
wenn wir welche haben wollen;
dass wir verantwortlich sind
für Gedachtes und Nichtgedachtes,
Gesagtes und Nichtgesagtes,
Getanes und Nichtgetanes;
dass wir uns Zeit nehmen müssen,
wenn wir welche haben wollen;
dass wir verantwortlich sind
für Gedachtes und Nichtgedachtes,
Gesagtes und Nichtgesagtes,
Getanes und Nichtgetanes;
dass der Sinn des Lebens
darin liegt, immer die Liebe
und das Leben im Sinn zu haben.
Leben heisst lernen,
dass es nicht darauf ankommt,
ob wir uns etwas schenken,
sondern darauf, ob wir imstande sind,
uns gegenseitig etwas zu geben,
dass das Wesen des Lebens
die Veränderung ist;
dass wir Liebe säen müssen,
wenn wir Liebe ernten wollen.
Leben heisst lernen,
die Kunst der Gelassenheit auszuüben:
das Weglassen, das Zulassen,
das Loslassen;
dass die schwierigste Aufgabe
unseres Leben darin besteht,
nie aufzugeben;
dass unser Mensch-Sein untrennbar
mit dem Mensch-Werden verbunden ist.
- Ernst Ferstl -
Montag, 2. Januar 2012
let me make this perfectly clear
do not think for one minute
it is the poem that matters.
all i have ever cared about
and all you should ever care about
is what happens
when you lift your eyes from this page.
it is not the poem that matters.
you can shove the poem.
what matters is
what is out there in the large dark
and in the long light,
breathing.
(gwendolyn macewen)
Sonntag, 1. Januar 2012
Zum Neujahr
Wir wollen glauben
an ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu, unberührt,
voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit,
voll Aufgabe, Anspruch,
Zumutung.
Wir wollen sehen,
daß wir´s nehmen lernen,
ohne all zu
viel fallen zu lassen, von dem,
was es zu vergeben hat,
an die, die Notwendiges,
Ernstes und Großes
von ihm verlangen.
(Rainer M. Rilke)
an ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu, unberührt,
voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit,
voll Aufgabe, Anspruch,
Zumutung.
Wir wollen sehen,
daß wir´s nehmen lernen,
ohne all zu
viel fallen zu lassen, von dem,
was es zu vergeben hat,
an die, die Notwendiges,
Ernstes und Großes
von ihm verlangen.
(Rainer M. Rilke)
Samstag, 31. Dezember 2011
✫¸.•°*”˜˜”*°•.✫
☻/ღ˚ •。* ♥♥ ˚ ˚✰˚ ˛★* 。 ღ˛° 。* °♥ ˚ • ★ *˚ . 。
/▌*˛˚ ░ ░ٌٌٌ░ Happy New Year 2012 ░░ ░ ˚ . ✰ •
/ \ ˚. ★ *˛ ˚♥♥* ✰。˚ ˚ღ。* ˛˚ ♥♥ 。✰˚* ˚ ★ ˚ 。✰ •* ˚
Richte dich nicht länger nach der Welt. Richte dich nach dem Licht, das in deinem Herzen tanzt. Dann werden deine Augen funkeln, wo andere die Hoffnung verlieren. ~Paul Ferrini~
☻/ღ˚ •。* ♥♥ ˚ ˚✰˚ ˛★* 。 ღ˛° 。* °♥ ˚ • ★ *˚ . 。
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Richte dich nicht länger nach der Welt. Richte dich nach dem Licht, das in deinem Herzen tanzt. Dann werden deine Augen funkeln, wo andere die Hoffnung verlieren. ~Paul Ferrini~
Freitag, 30. Dezember 2011
Donnerstag, 29. Dezember 2011
Es ist nicht die Zeit,
um zu ernten.
Es ist auch nicht die Zeit,
um zu säen.
An uns ist es,
in winterlicher Zeit uns
eng ums Feuer zu scharen
und den gefrorenen Acker
in Treue geduldig zu hüten.
Andere vor uns haben gesät.
Andere nach uns werden ernten.
An uns ist es,
in Kälte und Dunkelheit
beieinander zu bleiben und,
während es schneit, unentwegt
wach zu halten die Hoffnung.
Das ist es.
Das ist uns aufgegeben
in winterlicher Zeit.
(Lothar Zenetti)
in winterlicher Zeit.
(Lothar Zenetti)
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