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Sonntag, 17. März 2013

Schlaflosigkeit mit Worten

Nachts gehen die Worte
auf Zehenspitzen
bewegen sich behutsam zwischen Dingen
ziehn sich aus Angst vor Lärm die Schuhe aus.
Über meine schlaflosen Schultern flattern sie.
Das Gedicht holt mich aus meinem Bett.
So groß ist die Stille im schlafenden Haus.
Der Lärm der Hände macht mich taub.
Ich berühr Buchstaben. Streichle die Tasten,
damit sie leise ihre Nöte nennen.
Nichts kommt hervor. Es ist die Stille, die da spricht.
Und draußen die Schatten,
die am Fenster rütteln.

(Gioconda Belli)









So wie ihr Augen habt,
um das Licht zu sehen,
und Ohren, um Klänge zu hören,
so habt ihr ein Herz,
um damit die Zeit wahrzunehmen.
Und alle Zeit,
die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird,
ist verloren ... 

(Michael Ende in: Momo)


Samstag, 16. März 2013

I'm no heroine


I'm no heroine
at least, not last time I checked
I'm too easy to roll over
I'm too easy to wreck
I just write about
what I should have done
I just sing
what I wish I could say
and hope somewhere
some woman hears my music
and it helps her through her day

My life closed twice before its close;
It yet remains to see
If Immortality unveil
A third event to me

So huge, so hopeless to conceive,
As these that twice befell.
Parting is all we know of heaven,
And all we need of hell.

(Emily Dickinson)


Meine Hoffnung


In deinem Alter mein Kind,
hat jeder Mensch noch Gründe,
anzunehmen,er könnte fliegen
wie laufen lernen.
Ich werde mich hüten,
dich aufzuklären.
Vielleicht
bin doch ich es,
der sich irrt.

(Heinz Kahlau)

Freitag, 15. März 2013


Trugbild

Nie gewesen, der du sein wolltest,
der du dachtest, dass du warst.
Das falsche Kostüm
in einer verqueren Welt.

Immer mit der Lüge gegangen,
der ältesten Verlobten, nie geglaubt,
daß nächstliegende Worte

die innigsten sind. Für dich ist
die Erscheinung verwandter
als der erste Gedanke,

du hast zuviel Welt, zuviel Moos
an deinem Standbild, du stehst da
mit dem Buch, das du selbst nicht gelesen,

ein Mann aus Fleisch, der zu Kalk wurde,
ein Engel aus Schatten, allein,
gehüllt in deinen Namen
als leeren Beruf.

(Cees Nooteboom)

Donnerstag, 14. März 2013

winterabend


haut an haut
stille an haut
habe vergessen
wer du bist

die zeit ist gelöscht
und so dunkel sind die 
farben der nacht sind dunkel
trotz mondschein
zu mächtig wahrscheinlich

aber 
gemeinsam sind wir bei laune
das wegwollen
ist ja nur sehnsucht
seit der erfindung 
der vögel

(joschi anzinger)

Mittwoch, 13. März 2013



For what it’s worth: 
It’s never too late to be whoever you want to be. 
There’s no time limit, stop whenever you want. 
You can change or stay the same, 
there are no rules to this thing. 
We can make the best or the worst of it. 
I hope you make the best of it. 
And I hope you see things that startle you. 
I hope you feel things you never felt before. 
I hope you meet people with a different point of view. 
I hope you live a life you’re proud of. 
If you find that you’re not, 
I hope you have the strength to start all over again.”

(F. Scott Fitzgerald)




Seltsam
Dieser Morgen
Der so unentschlossen
Dem Grau
Entwunden
Tagt
Als wolle er
Nicht wirklich sein
Und schlafen
Bis ins Grün
Hinein

(Otto Lenk)

Dienstag, 12. März 2013

Flugangst



Und ich trag den schwierigen Stempel der Stadt auf der Stirn
und es dauert nicht mehr lang und er brennt sich mir ins Hirn
und anstatt Haaren wachsen mir wundervolle Flausen aus dem Kopf...
You are the books you read, the films you watch, the music you listen to, the people you meet, the dreams you have, the conversation you engage in. You are what you take from these. You are the sound of the ocean, the breath of fresh air, the brightest light and the darkest corner.

You are a collective of every experience you have had in your life. You are every single second of every single day.So drown yourself in a sea of knowledge and existence. Let the words run through your veins and let the colors fill your mind until there is nothing left to do but explode.

There are no wrong answers. Inspiration is everywhere. Sit back, relax, and take it all in.

Now go out and create something. 

(Jac Vanek)

alles in allem


ein windiges spiel
woran ich festhalte
hält mich nicht

bilder
die ich sehe nicht sehe
die mich nicht sehen
durch die ich hindurchgehe

licht 
das ich sehe nicht sehe
das mich sieht nicht sieht
durch das ich hindurchgehe

täuscht 
helle flächen tragen
weiter als dunkle

schnee trägt
und den weissen
wüstensand
sah ich schon einmal
von oben

(Doris Runge)

Montag, 11. März 2013

I know you

For you life is a long trip 
Terrifying and wonderful 
Birds sing to you at night 
The rain and the sun the changing seasons are true friends 
Solitude is a hard won ally, faithful and patient 

(Henry Rollins)



Sei ganz ruhig.
das Leben besteht nicht aus Sensationen,
es läuft nicht davon,
es bietet keine verpassten Gelegenheiten,
es wird nicht einmal weniger mit den Jahren.
Dreh dich nur beiläufig um:
Es wird mehr.

(Angela Krauss)

Sonntag, 10. März 2013



Ich habe Heimweh nach einem Land
in dem ich niemals war,
wo alle Bäume und Blumen
mich kennen,
in das ich niemals geh
doch wo sich die Wolken
meiner
genau erinnern,
ein Fremder, der sich
in keinem Zuhause
ausweinen kann.

Ich fahre
nach Inseln ohne Hafen,
ich werfe den Schlüssel ins Meer
gleich bei der Ausfahrt.
Ich komme nirgends an.
Mein Segel ist wie ein Spinnweb im Wind,
aber es reißt nicht.
Und jenseits des Horizonts,
wo die großen Vögel
am Ende des Fluges
die Schwingen in der Sonne trocknen,
liegt ein Erdteil
wo sie mich aufnehmen müssen,
ohne Pass,
auf Wolkenbürgschaft. 

(Hilde Domin)

Samstag, 9. März 2013























Schlagen wir
den nützlichen geduldigen Weg wieder ein
tiefer als die Wurzeln den Weg des Samenkorns
das gedrängte Wunder mischt Karten
aber es gibt kein Wunder
nur die Kraft der Samenkörner
ihrer ausreifenden Hartnäckigkeit gemäß

sprechen heißt das Samenkorn begleiten
bis zum schwarzen Geheimnis der Zahlen

(Aimé Césaire)

Freitag, 8. März 2013


Wenigstens Blumen wenigstens Lieder 
Von uns bleibt mehr 
Als Worte und Gesten 
Der glühende Wunsch nach Freiheit 
Ansteckende Sucht

(Giaconda Belli)

Donnerstag, 7. März 2013


When you come to the end of all the light you know, 
and it's time to step into the darkness of the unknown, 
faith is knowing that one of two things shall happen: 
Either you will be given something solid to stand on 
or you will be taught to fly.

(Edward Teller)

Irgendwann wird wieder frühling sein
die tür wird offenstehen und wolken von neuen ideen
werden durch die straßen wandern
du wirst hier sitzen mit deinem
frühlingskörper und eine erste zigarette rauchen
du wirst in einer zeitung blättern auf der suche
nach einer blutigen oder absurden geschichte
zufälle werden leuchten wie die gesichter von engeln
nach einer langen und schwierigen krankheit und dein bewußtsein
wird schwelgen in den gerüchen einer fernen fremden welt
du wirst dich bemühen deine gedanken zu zügeln
die mit sechs bis acht einhornbeinen durch die lüfte galoppieren
etwas leichtes wird sich zeigen
eine jenseitige substanz aus eigensinn und magie
erinnerungen werden aufklingen
und von den dächern der zukunft
wird dein gesicht herabspringen
mitten hinein
                     in den glänzenden
                                                  augenblick

(Joachim Zünder)

endlich Frühling