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Samstag, 23. November 2013

Life shrinks 
or expands 
in proportion 
to one's courage.

(Anais Nin)

November


Es ist gut, jeden Tag hinter sich zu lassen
Wie fliessendes Wasser, frei von Traurigkeit.
Gestern ist vorbei und seine Geschichte erzählt.
Heute wachsen neue Samen.

(Rumi)

Wind ist gut. Liebe ist gut.
Nacht ist gut. Wenn die Liebe gut ist.
Wissen möchte ich, ob man die Liebe,
Wenn sie einst aufhört, nicht mehr vermißt.

Oder ob sie uns immer bleibt,
Dunkelnd mit uns in dämmernden Jahren.
Ob uns noch das zueinandertreibt?
Werden wir leben und es erfahren.

Jünger fühlt es sich grüner an.
Nichts trifft uns gründlich. Alles ist leicht.
Erst wenn man weiß, daß sie enden kann,
Hat man den Anfang der Liebe erreicht.

(Eva Strittmatter)



Donnerstag, 21. November 2013

I know the bottom, she says. 
I know it with my great tap root: 
It is what you fear.
I do not fear it: I have been there.

Is it the sea you hear in me, 
Its dissatisfactions?
Or the voice of nothing, 
that was your madness?

Love is a shadow.
How you lie and cry after it
Listen: these are its hooves:
 it has gone off, like a horse.

All night I shall gallop thus, impetuously,
Till your head is a stone, 
your pillow a little turf, 
Echoing, echoing.

(Sylvia Plath)

Au milieu de l'hiver, 
j'ai découvert en moi 
un invincible été.

(Albert Camus)

Dienstag, 19. November 2013

Ein Mensch

Lasst ihm seinen Wert und seid's zufrieden.
Glaubt an ihn und seine gute Stunde.
Seine toten, flachen, leeren Tage
tragt, wie er sie trägt - geht vorüber.
O ihr wisst es schon, dass er sich manchmal
martert, dass er sich aus euch zermartert.
Fühlt ihr, seht ihr das, er geht vorüber.
Tiefe Schäden und Gebresten trägt er,
an verlornen Jahren reich wie keiner.
Aber etwas ist in ihm, das sprudelt
wie ein ewiger Quell, ob oft verschüttet.
Und ob dieses Quells voll Lebensperlen
bittet er: Vergebt ihm, was er nicht ist.

(Christian Morgenstern)

Dein Name auf meinen Lippen,
immer am Rande des Rufs,
er darf nicht zu Boden fallen.
Kein Tropfen deines Namens
darf zu Boden fallen.
Ich trage das volle Gefäss
mit Vorsicht.
So leise kann er nicht fallen,
dein Name,
dass nicht der Tag zerbricht.
Und so laut nicht
dass du ihn hörst.

(Hilde Domin)


Türschild

Vorsicht bissige Stille, einzig
ein paar verzogene Jahresringe knarzen,
die Königssuite einer Bruchbude ist dahier
und vierundzwanzig Überstunden hat mein Tag.

(Walle Sayer )

Montag, 18. November 2013

Samstag, 16. November 2013

Du warst so müde
dass ich stumm blieb

Nicht wissend
dass ein Wort
meiner Hände
genügt hätte

(Heinz Janisch)


Und doch, wenn du lange gegangen bist, 
bleibt das Wunder nicht aus, 
weil das Wunder immer geschieht, 
und weil wir ohne die Gnade 
nicht leben können: 
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags, 
du bläst sie lächelnd aus 
wenn du in die Sonne trittst 
und unter den blühenden Gärten 
die Stadt vor dir liegt, 
und in deinem Hause 
dir der Tisch weiss gedeckt ist. 
Und die verlierbaren Lebenden 
und die unverlierbaren Toten 
dir das Brot brechen und den Wein reichen - 
und du ihre Stimmen wieder hörst 
ganz nahe 
bei deinem Herzen. 


(Hilde Domin)

Freitag, 15. November 2013


Tagespensum

Einen Teig geknetet.
Die Katze gefüttert.
In Ecken geleuchtet.
Freundschaft
mit der Stille
geschlossen.
Mit Lesen
Hunger gestillt.
Die Nacht in
Ruhe gewickelt.

(Frauke Ohloff)

Donnerstag, 14. November 2013



Eine Insel erfinden,
allfarben
wie das Licht. 
In seinem Schatten
willkommen heissen
die Erde.
Sie bitten, uns aufzunehmen
in Gärten,
wo wir wachsen dürfen,
brüderlich,
Mensch an Mensch.

(Rose Ausländer)

Mittwoch, 13. November 2013


Was vergangen ist fehlt mir nicht
ich misstraue der Schönheit
von gestern
nur Träume
sind schwer beim Erinnern
wenn die Kälte zunimmt, das Dunkel
und die Leere
zwischen dem Augenblick
und dem Entwurf.

 (Ingibjörg Haraldsdóttir)

Dienstag, 12. November 2013


Gedichte

Leben, 
in Bernstein geborgen, 
begraben. 

Narben, 
berührbar, 
unverletzlich. 

Aufgezeichnete 
Zeit im Werden. 
Kreide oder Achat.

(Christina Busta)


Montag, 11. November 2013

Novembergedanken

Manchmal
überkommt mich November
mit Dunkelheit und Kälte
fall ich ins Nebelland
falle zurück
Manchmal
ist mir nach Mai
nach Lachen und Aufbruch
fall ich unter die Sonne
falle ins Glück
manchmal
weiß ich  nicht wo ich stehe
ob  im November  im Mai
fühle Mai im November
fühle November im Mai

(Annemarie Schnitt)

Sonntag, 10. November 2013

 Manchmal spricht ein Baum
durch das Fenster mir Mut zu
Manchmal leuchtet ein Buch
als Stern auf meinem Himmel
manchmal ein Mensch,
den ich nicht kenne,
der meine Worte erkennt.

(Rose Ausländer)