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Donnerstag, 17. Dezember 2015

Montag, 14. Dezember 2015

"Meinen Platz einnehmen, am Feuer, auf dem Narrenschiff, in der Karawane, im Dorf, im Weltzirkus.
Lauschen und hören, wenn ich gefragt bin. An die Gaben glauben, die ich zu bieten habe, vertrauen, dass die Welt möchte, dass ich meinen Teil beitrage. Ganz tief hineingehen in mein Sosein und meine Gaben so mutig und authentisch anbieten wie es nur möglich ist. Dann gibt es keine Wertung, keine “grossen”, keine “kleinen” Gaben. Dann werden viele unterschiedliche Gaben von vielen zusammenkommen. Und die braucht es in den stürmischen Zeiten. Es braucht die Contrarykraft, die Gegenteilskraft, die Ältestenweisheit, den wildesten Teil unserer Seele, das wunderbare, verwundbare Herz der Kriegerin, die nicht retten, sondern einfach nur bezeugen, sehen, da sein will, ganz wach, ganz offen für den Schmerz und die Freude, für die Verrücktheit der Welt, für die Augenblicke des Lebens. Es braucht alle Gaben. Also schaue ich, was kommt."

(Cambra Skade)

Neue Wege gehen
staunen, sich überraschen lassen
an jedem Abzweig entscheiden
links oder rechts
steil oder eben
Sonne oder Schatten
weit oder nah
seinem gewählten Wege
folgen mit ganzem Herzen
bis zur nächsten Kreuzung
dann vertrauensvoll
neu entscheiden
und sich tragen lassen
in das, was kommt

(Maria Sassin)

Die Grenzen, die du errichtest, 
werden solange für dich real sein, 
bis du lernst, über sie hinaus zu gehen. 
Dann hören sie auf, wirklich zu sein.

Später wirst du auf die Realität zurückblicken,
 in der du gelebt hast,  und du wirst dich wundern, 
wie es dir einst möglich gewesen sein konnte, 
ihre engen Grenzen zu ertragen.

(Paul Ferrini)

Dienstag, 8. Dezember 2015


Wörter

Wörter, wie ungewichtig
seid ihr geworden, in den Schatten
gestellt von Erinnerungen,
Gedanken, die landen wie Vögel mit
lichtgefächerten Schwingen,
wortlos und buchstabenscheu.
Gelegentlich kreuzen sie auch
den Weg einer Montgolfiere
und überleben unbeschadet
das übererregte Feuer, die Seile,
den Krach.

(Dagmar Nick)

Samstag, 5. Dezember 2015


Mit Dir,
Freundin,
unsere Welt mit offenen Augen betrachten:
die Wolken,
die Erde,
die Wurzeln,
die Bäume,
die Blätter,
die Menschen
und uns.
Das Wesen der Dinge erkennen,
es benennen
und sichtbar machen,
wie sie auf uns blicken,
mahnend,
an unserem Weg.

(Annette Gonserowski)

Donnerstag, 3. Dezember 2015

WinterMorgenNebel


Die Freude
dieses bescheidenste Tier
dies sanfte Einhorn

so leise
man hört es nicht
wenn es kommt, wenn es geht
mein Haustier
Freude

wenn es Durst hat
leckt es die Tränen
von den Träumen.

(Hilde Domin)

Montag, 30. November 2015


Immer kreisen
auf dem kühleren Wind
hilflos

kreisen meine Worte
heimwehgefiedert
nestlos

einst einem Lächeln entgegen
keiner trägt das Leben allein
kreisend und kreisend.

(Hilde Domin)

Freitag, 20. November 2015

du lieber himmel!
ein herrenloses gedicht
streunt über die seite
vielleicht beisst es!
ein wadenbeissergedicht!
nehmen sie sich in acht
gedichte haben scharfe zähne
dringen tief ein ins fleisch
sehen harmlos aus
wenn sie so über die seiten weiden
so friedlich
beinahe könnte man sie lieben
und dann
schnappen sie zu

(Jolanda Fäh)

Sonntag, 15. November 2015

Du weisst, dass hinter den Wäldern blau 
die großen Berge sind. 
Und heute nur ist der Himmel grau 
und die Erde blind.

Du weisst, dass über den Wolken schwer 
die schönen Sterne stehn, 
Und heute nur ist aus dem goldenen Heer 
kein einziger zu sehn.

Und warum glaubst du dann nicht auch, 
dass uns die Wolke Welt 
nur heute als ein flüchtiger Hauch 
die Ewigkeit verstellt.

(Eugen Roth  )

Donnerstag, 12. November 2015

The only moment that you can live here comfortably 
in these absolutely irreconcilable conflicts 
is in this moment when you embrace it all and you say, 
‘Look, I don’t understand a fucking thing at all – Hallelujah!’ 
That’s the only moment that we live here fully as human beings.

(Leonard Cohen)


Mittwoch, 11. November 2015

…und dann muss man ja auch noch Zeit haben,
einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.

(Astrid Lindgren)

Samstag, 7. November 2015

Komm
einen Atemzug näher
ans Licht
Schwester

Sei kühn
und unnahbar.

(Rose Ausländer)

Mittwoch, 4. November 2015

Montag, 2. November 2015

Es ist alles ganz einfach

Es ist alles ganz einfach viel
einfacher und trotzdem
auch so gibt es Augenblicke
in denen es mir zuviel wird
In denen ich nicht verstehe
und nicht weiss, ob ich laut lachen
oder vor Angst weinen soll
oder ohne Weinen
ohne Lachen
still dasein
mein Leben annehmen
meine Durchreise
meine Zeit.

(Idea Vilarino)

Sonntag, 1. November 2015

Herbstfarben





...Spätherbst ist immer die Zeit 
zwischen Ernte und Sterben...

(Erich Fried)




Samstag, 31. Oktober 2015

Unmögliche Wünsche

Meinem Kind
die Wünsche vererben:
Wünsch weiter als ich,
zäh
und mit Ungeduld
über alles hinaus.

Dass die Sprache
der Schuldlosen
die Sprache der Welt wird.
Dass Gewalt
nebelgrau
ins Vergessen sinkt
und Hass
verholzt und abstirbt.
Wünsch, dass die Früchte
reifen für alle
unter der Sonne.

Wünsch weiter als ich.
Wünsch das Unmögliche.

(Elke Oertgen)

LandLeben





Mittwoch, 28. Oktober 2015

wunder

unter den wundern
das grösste:
die vielen
unbehelligten leben.

gedankensplitter,
wenn es hochkommt,
die vereinzelt
im fleisch stecken.

wandern.

leichte beschwerden
an einem dienstag
im april,
im juli
an einem donnerstag.

schöne zeit sonst.
man kann
heute schrecklich alt werden.


(rainer malkowski)

Geh die Strasse entlang
ohne Zeiger
biege links ab
dann rechts wieder rechts und links
geradeaus und so weiter
bis der Kreis dich erreicht
sein Mittelpunkt
Hier
fang an

(Rose Ausländer)