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Samstag, 17. August 2013

Freitag, 16. August 2013

Manchmal, wenn ein Vogel ruft
oder ein Wind geht in den Zweigen
oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
dann muss ich lange lauschen und schweigen.


Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.


Meine Seele wird Baum
und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

(Hermann Hesse)


Donnerstag, 15. August 2013

A Dream of Trees

There is a thing in me that dreamed of trees, 
A quiet house, some green and modest acres 
A little way from every troubling town, 
A little way from factories, schools, laments. 
I would have time, I thought, and time to spare,
With only streams and birds for company, 
To build out of my life a few wild stanzas. 
And then it came to me, that so was death, 
A little way away from everywhere. 

There is a thing in me still dreams of trees, 
But let it go. Homesick for moderation, 
Half the world’s artists shrink or fall away. 
If any find solution, let him tell it. 
Meanwhile I bend my heart toward lamentation 
Where, as the times implore our true involvement, 
The blades of every crisis point the way. 

I would it were not so, but it is. 
Who ever made music of a mild day?

(Mary Oliver)


Für gewöhnlich sieht der Mensch nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit; 
was er übersieht, sind die vollen Scheunen der Vergangenheit. 
Im Vergangensein ist nämlich nichts unwiederbringlich verloren, 
vielmehr alles unverlierbar geborgen. 

(Viktor Frankl)

Mittwoch, 14. August 2013


Im Traum
nicht einmal mehr
suche ich
mein verlorenes Paradies
bei dir

ich erfinde es
besser allein
für mich

In Wirklichkeit 
will ich
einfach nur leben
mit dir
so gut es geht

(Karin Kiwus)

Dienstag, 13. August 2013

Montag, 12. August 2013

We travel, 
some of us 
forever,
 to seek 
other states, 
other lives, 
other souls.

( Anaïs Nin)

Ereignisse

Welle sein 
schäumend im sanften 
Murmeln deines Blutes 

Dämmern am Rand deines Seins 
kauern, das Haar zerfliessend an deiner Schulter 
gehalten vom Streicheln deiner Hand 
Sprachlos flüstern 
längst gesagter Worte 
altbekannt seit der ersten Paarung 
eines Mannes und einer Frau 
die einer im anderen 
die Welt entdecken. 

Sanftes Tier sein 
das dich sucht mit offenen Augen 
und denkt das Leben ist schön 
und stark und unerwartet neu.

(Gioconda Belli)


Sonntag, 11. August 2013

In guten Stunden
kann ich fühlen, was wahr ist

- und ich verlange
keine Beweise.

In guten Stunden
kann ich lieben

- ohne dass der Traum
zum Gespött wird.

Iin guten Stunden
sprechen die Vögel,

und die Wurzeln des alten Baums
singen.

(Rainer Malkowski)


Spätsommer, dieses Gespür
von Abschied voraus.
Hinter dir fällt schon die Tür
ins beschattete Haus.

Wind, der die Weite durchmisst:
deine Wege von morgen.
Was du verloren hast, ist
aufs neue zu borgen.

Bis der Herbststurm erwacht,
magst du noch draussen zelten,
die Schüsse während der Nacht
brauchen nicht dir zu gelten.

Fuchsfallen, im Acker getarnt,
findest du blind.
Erst wenn der Häher dich warnt,
weisst du: die Treibjagd beginnt.

[Dagmar Nick]





Samstag, 10. August 2013

Freitag, 9. August 2013

Du willst an etwas festhalten
das Dich nicht halten kann
an das Du Dich nicht halten kannst
weil es Dir keinen Halt zu geben vermag

Du möchtest Dich anlehnen
an Deine Erinnerungen
Dich wärmen in Anlehnung
an ihre warmen Farben

Du trägst und trauerst ihnen nach
dass Du sie nie halten konntest
weil sie Dich nie halten konnten
und Dich stets und nie zurück ließen
weil sie nie wieder die selben waren
und auch Du nie wieder selbe warst
nie wieder der selbe sein werden kannst
auch wenn Du das noch so gern wolltest

Doch all das wirst Du erst wieder sehen
wenn dieser Zustand vergangen ist

(Connor Fairuza Angilotti)

Donnerstag, 8. August 2013

Still, what I want in my life
is to be willing
to be dazzled –
to cast aside the weight of facts

and maybe even
to float a little
above this difficult world.
I want to believe I am looking

into the white fire of a great mystery.
I want to believe that the imperfections are nothing –
that the light is everything… And I do.

(Mary Oliver)

time and tide

Hundstage

Es riecht nach
Heu Hitze und
Weissem Klee.
Träume steigen
Auf an die
Himmelsränder.

(Sarah Kirsch)

Dienstag, 6. August 2013

Ich will viel

Du siehst, ich will viel. 
Vielleicht will ich Alles: 
das Dunkel jedes unendlichen Falles 
und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel. 

Es leben so viele und wollen nichts, 
und sind durch ihres leichten Gerichts 
glatte Gefühle gefürstet. 

Aber du freust dich jedes Gesichts, 
das dient und dürstet. 

Du freust dich Aller, die dich gebrauchen 
wie ein Gerät. 

Noch bist du nicht kalt, und es ist nicht zu spät, 
in deine werdenden Tiefen zu tauchen, 
wo sich das Leben ruhig verrät. 

(Rainer Maria Rilke)

Montag, 5. August 2013

And now I know what most deeply connects us

after that summer so many years ago,
and it isn’t poetry, although it is poetry,

and it isn’t illness, although we have that in common,

and it isn’t gratitude for every moment,
even the terrifying ones, even the physical pain,

though we are halfway through
it, or even the way you describe the magnificence

of being alive, catching a glimpse,

in the store window, of your blowing hair and chapped lips,
though it is beautiful, it is; but it is

that you’re my friend out here on the far reaches

of what humans can find out about each other.

(Jason Shinder)


Summersong




Sonntag, 4. August 2013

Reality demands
we also state the following:
life goes on.

(Wisława Szymborska)













Samstag, 3. August 2013

Heimliche Übung

Wir haben heimlich
Leben geübt
Immer dann
Wenns niemand sah
Probierten wir
Wie Lachen schmeckt
Wie Traurigsein
Und Küssen
Denn irgendwann
Das wussten wir
Würde es stattfinden
Das Leben
Und dann ist es gut
Vorher geübt zu haben

(Maja Dahinden )

Freitag, 2. August 2013