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Freitag, 16. August 2013
Manchmal, wenn ein Vogel ruft
oder ein Wind geht in den Zweigen
oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
dann muss ich lange lauschen und schweigen.
Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.
Meine Seele wird Baum
und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?
Donnerstag, 15. August 2013
A Dream of Trees
There is a thing in me that dreamed of trees,
A quiet house, some green and modest acres
A little way from every troubling town,
A little way from factories, schools, laments.
I would have time, I thought, and time to spare,
With only streams and birds for company,
To build out of my life a few wild stanzas.
And then it came to me, that so was death,
A little way away from everywhere.
There is a thing in me still dreams of trees,
But let it go. Homesick for moderation,
Half the world’s artists shrink or fall away.
If any find solution, let him tell it.
Meanwhile I bend my heart toward lamentation
Where, as the times implore our true involvement,
The blades of every crisis point the way.
I would it were not so, but it is.
Who ever made music of a mild day?
(Mary Oliver)
Mittwoch, 14. August 2013
Montag, 12. August 2013
Ereignisse
Welle sein
schäumend im sanften
Murmeln deines Blutes
Dämmern am Rand deines Seins
kauern, das Haar zerfliessend an deiner Schulter
gehalten vom Streicheln deiner Hand
Sprachlos flüstern
längst gesagter Worte
altbekannt seit der ersten Paarung
eines Mannes und einer Frau
die einer im anderen
die Welt entdecken.
Sanftes Tier sein
das dich sucht mit offenen Augen
und denkt das Leben ist schön
und stark und unerwartet neu.
(Gioconda Belli)
Sonntag, 11. August 2013
Spätsommer, dieses Gespür
von Abschied voraus.
Hinter dir fällt schon die Tür
ins beschattete Haus.
Wind, der die Weite durchmisst:
deine Wege von morgen.
Was du verloren hast, ist
aufs neue zu borgen.
Bis der Herbststurm erwacht,
magst du noch draussen zelten,
die Schüsse während der Nacht
brauchen nicht dir zu gelten.
Fuchsfallen, im Acker getarnt,
findest du blind.
Erst wenn der Häher dich warnt,
weisst du: die Treibjagd beginnt.
[Dagmar Nick]
Freitag, 9. August 2013
Du willst an etwas festhalten
das Dich nicht halten kann
an das Du Dich nicht halten kannst
weil es Dir keinen Halt zu geben vermag
Du möchtest Dich anlehnen
an Deine Erinnerungen
Dich wärmen in Anlehnung
an ihre warmen Farben
Du trägst und trauerst ihnen nach
dass Du sie nie halten konntest
weil sie Dich nie halten konnten
und Dich stets und nie zurück ließen
weil sie nie wieder die selben waren
und auch Du nie wieder selbe warst
nie wieder der selbe sein werden kannst
auch wenn Du das noch so gern wolltest
Doch all das wirst Du erst wieder sehen
wenn dieser Zustand vergangen ist
(Connor Fairuza Angilotti)
Donnerstag, 8. August 2013
Still, what I want in my life
is to be willing
to be dazzled –
to cast aside the weight of facts
and maybe even
to float a little
above this difficult world.
I want to believe I am looking
into the white fire of a great mystery.
I want to believe that the imperfections are nothing –
that the light is everything… And I do.
(Mary Oliver)
Hundstage
Es riecht nach
Heu Hitze und
Weissem Klee.
Träume steigen
Auf an die
Himmelsränder.
(Sarah Kirsch)
Dienstag, 6. August 2013
Ich will viel
Du siehst, ich will viel.
Vielleicht will ich Alles:
das Dunkel jedes unendlichen Falles
und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.
Es leben so viele und wollen nichts,
und sind durch ihres leichten Gerichts
glatte Gefühle gefürstet.
Aber du freust dich jedes Gesichts,
das dient und dürstet.
Du freust dich Aller, die dich gebrauchen
wie ein Gerät.
Noch bist du nicht kalt, und es ist nicht zu spät,
in deine werdenden Tiefen zu tauchen,
wo sich das Leben ruhig verrät.
(Rainer Maria Rilke)
Montag, 5. August 2013
And now I know what most deeply connects us
after that summer so many years ago,
and it isn’t poetry, although it is poetry,
and it isn’t illness, although we have that in common,
and it isn’t gratitude for every moment,
even the terrifying ones, even the physical pain,
though we are halfway through
it, or even the way you describe the magnificence
of being alive, catching a glimpse,
in the store window, of your blowing hair and chapped lips,
though it is beautiful, it is; but it is
that you’re my friend out here on the far reaches
of what humans can find out about each other.
(Jason Shinder)
Sonntag, 4. August 2013
Samstag, 3. August 2013
Heimliche Übung
Wir haben heimlich
Leben geübt
Immer dann
Wenns niemand sah
Probierten wir
Wie Lachen schmeckt
Wie Traurigsein
Und Küssen
Denn irgendwann
Das wussten wir
Würde es stattfinden
Das Leben
Und dann ist es gut
Vorher geübt zu haben
(Maja Dahinden )
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