.
Dienstag, 19. November 2013
Türschild
Vorsicht bissige Stille, einzig
ein paar verzogene Jahresringe knarzen,
die Königssuite einer Bruchbude ist dahier
und vierundzwanzig Überstunden hat mein Tag.
(Walle Sayer )
Samstag, 16. November 2013
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiss gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.
(Hilde Domin)
Freitag, 15. November 2013
Tagespensum
Einen Teig geknetet.
Die Katze gefüttert.
In Ecken geleuchtet.
Freundschaft
mit der Stille
geschlossen.
Mit Lesen
Hunger gestillt.
Die Nacht in
Ruhe gewickelt.
(Frauke Ohloff)
Donnerstag, 14. November 2013
Mittwoch, 13. November 2013
Dienstag, 12. November 2013
Gedichte
Leben,
in Bernstein geborgen,
begraben.
Narben,
berührbar,
unverletzlich.
Aufgezeichnete
Zeit im Werden.
Kreide oder Achat.
(Christina Busta)
Montag, 11. November 2013
Novembergedanken
Manchmal
überkommt mich November
mit Dunkelheit und Kälte
fall ich ins Nebelland
falle zurück
Manchmal
ist mir nach Mai
nach Lachen und Aufbruch
fall ich unter die Sonne
falle ins Glück
manchmal
weiß ich nicht wo ich stehe
ob im November im Mai
fühle Mai im November
fühle November im Mai
(Annemarie Schnitt)
Sonntag, 10. November 2013
Botschaften des Regens
Nachrichten, die für mich bestimmt sind,
weitergetrommelt von Regen zu Regen,
von Schiefer- zu Ziegeldach,
eingeschleppt wie eine Krankheit,
Schmuggelgut, dem überbracht,
der es nicht haben will -
jenseits der Wand schallt das Fensterblech,
rasselnde Buchstaben, die sich zusammenfügen,
und der Regen redet
in der Sprache, von welcher ich glaubte,
niemand kenne sie außer mir -
Bestürzt vernehme ich
die Botschaften der Verzweiflung,
die Botschaften der Armut
und die Botschaften des Vorwurfs.
Es kränkt mich, daß sie an mich gerichtet sind,
denn ich fühle mich ohne Schuld.
Ich spreche es laut aus,
daß ich den Regen nicht fürchte und seine Anklagen
und den nicht, der sie mir zuschickte,
dass ich zu guter Stunde
hinausgehen und ihm antworten will.
(Günter Eich)
Samstag, 9. November 2013
Donnerstag, 7. November 2013
Herbst
Die Tauben sitzen schwer wie Steine
Der Baum im Hof verliert Gewicht
Ein alter Mann vertritt die Beine
Wird Herbst da draussen, wie ich meine
Zwölf Bänke stehn und sind vergessen
Ein Tulpenbeet hat nichts zu tun
Ein Sonnenstrahl grüsst sehr gemessen,
Den Herbst da draussen, und in mir
(Hildegard Knef)
Dienstag, 5. November 2013
In uns sind alle Leidenschaften
und alle Laster
und alle Sonnen und Sterne,
Abgründe und Höhen,
Bäume, Tiere, Wälder, Ströme.
Das sind wir.
Wir erleben
in unseren Adern,
in unseren Nerven.
Wir taumeln.
Brennend
zwischen grauen Blöcken Häuser.
Auf Brücken aus Stahl.
Licht aus tausend Röhren
umfliesst uns,
und tausend violette Nächte
ätzen scharfe Falten
in unsere Gesichter.
(George Grosz)
Novembertag
Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen,
ohne Not geht niemand aus,
alles fällt in Sinnen.
Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde,
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.
(Christian Morgenstern)
Abonnieren
Posts (Atom)

















