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Donnerstag, 9. Oktober 2014

Ich rufe die Wörter 
zusammen, 
sie haben 
kein Fell, kein Gefieder, 
sie haben, wenn 
sie sich im Rudel drängen 
und auf mich warten, 
nur eine dünne Haut, 
die reißt und sie 
blossstellt, 
sobald ich ungeduldig werde 
und sie nicht streichle 
mit meiner Stimme. 

(Peter Härtling) 

Mittwoch, 8. Oktober 2014


Die Erfindung deiner Anwesenheit

sehe dich auf alten Fotos 
kann dich googeln 

finde Artikel 
nichts geht verloren 

niemand kennt deine Adresse 
du wohnst dort 

wo meine vorstellungen 
sich überschlagen 

dort wo du bist 
kann ich alles erfinden 

(Eva Christina Zeller)

Freitag, 3. Oktober 2014


Gelingendes Leben

"Aber heute fürchte ich nichts, heute zeige ich mich freimütig, schutzlos dem Tag, mache die Demutsgebärde des angegriffenen, schwächeren Wolfs, zwinge den Übermächtigen zur Grossmut und wage, mich zu freuen, weil der Morgen frisch und bitter riecht, weil der Himmel makellos ist, weil eine späte rote Rose aufgeblüht ist am schon verdorrenden Busch, weil ich den Tod nicht scheue, weil ich lebe, weil ich auf eine Art lebe, die nur ich weiss und kann, ein Leben unter Milliarden, aber das meine, das etwas sagt, was kein anderes sagen kann. Das Einmalige eines jeden Lebens. Es macht heiter, zu wissen, dass jeder Recht hat mit sich selbst. Schön ist es, älter zu werden, erlöst von sich, von der gewaltigen Anstrengung, etwas zu werden, etwas darzustellen in dieser Welt. Gelassen sich einfügen, irgendwo, wo gerade Platz ist, und überall man selbst zu sein und zugleich weiter nichts als einer von Milliarden. Dies alles, in vielen Worten gesagt, dauert zu fühlen drei, vier Atemzüge lang." 

(Luise Rinser)

Sonntag, 21. September 2014

Sonntag, 14. September 2014

Herbst

Du bahnst dir
den Weg winterwärts
durch buntes Laub
wagst dich einzunisten
im Nebelhaus
anzuhalten zwischen
den Zeiten
dich anzufreunden
mit den Geistern 
der Dunkelheit
am Rande des Tages
aufzulösen
die Töne der Tristesse

(Annemarie Schnitt)

Im Herbst schreiben
über die Vergänglichkeit
der Liebe und
des Lebens

Über die Blätter
die zu Boden fallen
und den Schnee
der sie verbergen wird

Über die Sehnsucht
im Herbst und
über das was weh tut und
nicht schweigen will

Über das schreiben
was tief in uns steckt
und was nicht
gesagt werden kann

Über die Sehnsucht schreiben
und über Liebe
auch wenn es Herbst wird

(Gerhard Rombach)

Sonntag, 7. September 2014


Einfach so
ziehen die Tage dahin
eilig wie die Wolken
die sich türmen
und wieder auflösen
es bleibt dir
ein Geschmack von Glück
auf der Zunge
in den Augen
tanzende Sonnenfunken
im Rücken
ein dich forttreibender Wind
in den Händen ein Feuerstein
als Faustpfand
eingefangener Zeit

(Annemarie Schnitt)

Die Farben der Anemonen
werden bleich

Mach dir nichts vor
es geht zu Ende

Unsichtbare Raubtiere
schleichen
um deine Lebenslust

Angst durchbohrt
deinen Sommertraum

Bald 
blühen Eisblumen

Erfinde
ein Apfellied

(Rose Ausländer)

Samstag, 6. September 2014

Freitag, 29. August 2014

Lieber Mensch...

Lieber Mensch,
du hast alles falsch verstanden.
Du bist nicht hier, um bedingungslose Liebe zu meistern.
Die ist da, wo du her kommst und wieder hin zurück gehst.
Du bist hier, um persönliche Liebe zu lernen,
universelle Liebe, schmuddelige Liebe, verschwitzte Liebe,
verrückte Liebe, zerbrochene Liebe, ganze Liebe,
erhellt von Göttlichkeit.
Gelebt durch die Eleganz des Stolperns.
Offenbart durch die Schönheit des Versagens - meistens.
Du bist nicht hier, um perfekt zu werden. Du bist es schon!
Du bist hier, um menschlich zu sein,
fehlerhaft und fabelhaft.,
um dann wieder in die Erinnerung aufzusteigen.
Aber bedingungslose Liebe? Erzähl mir nichts.
In Wahrheit braucht Liebe keine Adjektive,
keine Veränderungen, keine Bedingungen der Perfektion.
Es braucht nur, dass du da bist und dein Bestes gibst.
Es braucht nur, dass du präsent bleibst und alles fühlst,
dass du strahlst und fliegst und lachst und schreist,
dich verletzt und heilst und fällst und aufstehst und spielst
und arbeitest und lebst und stirbst als DU selbst.
Das ist genug, das ist viel!

(Courtney A. Walsh)
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Dear Human: You’ve got it all wrong. 
You didn’t come here to master unconditional love. 
That is where you came from and where you’ll return. 
You came here to learn personal love. 
Universal love. Messy love. Sweaty love. 
Crazy love. Broken love. Whole love. 
Infused with divinity. Lived through the grace of stumbling. 
Demonstrated through the beauty of… messing up. Often. 
You didn’t come here to be perfect. You already are. 
You came here to be gorgeously human. Flawed and fabulous. 
And then to rise again into remembering.
But unconditional love? Stop telling that story. 
Love, in truth, doesn’t need ANY other adjectives. 
It doesn’t require modifiers. 
It doesn’t require the condition of perfection. 
It only asks that you show up. And do your best. 
That you stay present and feel fully. 
That you shine and fly and laugh and cry 
and hurt and heal and fall and get back up 
and play and work and live and die as YOU. 
It’s enough. It’s Plenty.

(Courtney Walsh)

Donnerstag, 28. August 2014

Lost and Found



I’ve learned things I won’t forget
But I’m not leaning on them yet
I’ll be waiting ‘till the end
For everything to turn again...
Ich erzähle dir eine Geschichte
von einem Himmel

der Himmel hat keine Bäume
der Himmel hat keine Vögel
der Himmel ist auch kein Erdbeerfeld

der Himmel ist ein Kleid
das der Erde zu weit

der Himmel hat morgens und abends
ein Dach
da wollen wir bleiben

der Himmel ist nicht so wie du denkst
der Himmel ist blau

(Elisabeth Borchers)

Sonntag, 24. August 2014

Die Bäume



Immer sind es Bäume
die mich verzaubern

Aus ihrem Wurzelwerk schöpfe ich
die Kraft für mein Lied

Ihr Laub flüstert mir
grüne Geschichten

Jeder Baum ein Gebet
das den Himmel beschwört

Grün die Farbe der Gnade
Grün die Farbe des Glücks

(Rose Ausländer)

Das Schönste


Ich flüchte
in dein Zauberzelt
Liebe

im atmenden Wald
wo Grasspitzen
sich verneigen

weil
es nichts Schöneres gibt

(Rose Ausländer)

Montag, 18. August 2014

Musik aus Basel



Der Neinengel

Das muss ein starker Engel sein,
der uns den Mut macht für ein Nein.

Ein Kämpferengel, der gerade geht,
der sicher auf beiden Füssen steht.
Ein trotziger Engel hell wie der Tag.
Einer, der offene Worte mag.

Das muss ein starker Engel sein,
der uns den Mut macht für ein Nein.

Ein Nein, das heisst ja etwas wagen.
Das nicht zu tun, was alle sagen,
ist schwer, viel schwerer als zu nicken,
sich einzufügen und zu schicken.

Das muss ein starker Engel sein,
der uns den Mut macht für ein Nein.

(Jutta Richter)


Die Liebe 
sitzt in der Sonne 
auf einer Mauer und räkelt sich 
für jeden zu sehen 
Niemand hat sie gerufen 
niemand könnte sie wegschicken 
auch wenn sie störte 

Woher kam sie als sie kam? 
Man sieht selbst die Katze kommen 
oder ein Gedicht auf dem Papier 
Und der dunkelfüssige Traum 
stellt sich nicht aus 

Die Mauer ist leer 
wo die Liebe sass 
Wohin ging sie als sie ging? 
Selbst der Tod, selbst die Träne 
lässt eine Spur 

(Hilde Domin)

Dienstag, 12. August 2014


das gespräch
über bäume
wird nie beendet
solange es worte
und bäume gibt

wer mag leben
ohne den trost
der bäume

den baum
der erkenntnis
hat keiner erkannt

(rose ausländer)


Montag, 11. August 2014


viele wege kreuzen sich in mir
und ich gehe immer
mehrere strassen zugleich.
ich bin arm.
aber es kommt mir vor:
dann wäre ich reich
wenn unter diesen wegen einer
ein ausweg wäre.

viele wege kreuzen sich in mir
und ich gehe immer
mehrere strassen zugleich.
ich bin arm.
aber es kommt mir vor:
dann wäre ich ärmer
wenn unter diesen wegen einer
ein ausweg wäre.

(Ernst Jandl)

Sonntag, 10. August 2014

Nacht-Tiere



Wenn ich die Augen schliesse 
Hör ich tief drinnen meine Wölfe heulen 
Und der Mond geht auf wie ein Omelett 

Auf der Lichtung meiner Wut hör ich sie spielen 
Die Schnauzen voll Fett 
Tobende Bündel 
Mein Geschwistergesindel 
Und wenn die Stunden schwer wie Steine um mich liegen 
Über der Erde kreiselt das Omelett 
Hör ich die Fledermäuse wie sie tief drinnen fliegen
Flirrend Flageolett 
Auf der Suche nach Beute 
Meine Nachtseelenmeute 

Eidechsen schlüpfen rein mit grinsenden Gesichtern 
Leise verschwindet das Omelett 
Ich lerne langsam auf meine Rache zu verzichten 
Leg mich ins Bett 
Und meine Tiere geigen 
Mich in den Mittsommerreigen 

(Linard Bardill)

Samstag, 9. August 2014

Am See





An manchen Tagen fehlt
nur wenig zum Glück.
Ein warmer Lufthauch fällt
von alten, runden Bergen.

Alles ist gut
und kein Gedanke
an deine Endlichkeit
oder an meine.

Aber an manchen Tagen fällt
von anderen Bergen
ein anderer Wind und fällt
Bäume und Blendwerk.

Und alles was gut war
reisst sich los vom losen
Grund meiner Innenwelt
oder deiner.

(Pedro Lenz)

Sonntag, 3. August 2014


Du bist ein Extra,
ein Irrtum, Strandgut:
Eine Gabe, ein Widerspruch.

(Margaret Atwood)

Samstag, 2. August 2014