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Sonntag, 3. Juli 2016
Schrift und Gegenschrift
Wenn wir schreiben,
tun wir es auch heute
− lebend in einem provisorischen Zustand −
mit einer Feder
aus den Flügeln des Ikarus,
der Gegenschrift folgend,
die aus Pflanzen, Tieren, Menschen
besteht, aus dem Zerfall, der
eingeboren ist allem Werden,
aus Steinen und Wellen, den grossen
Unternehmungen der Landschaft
und dem Labyrinth, zu dem
jeder Weg werden kann.
(Walter Helmut Fritz)
Samstag, 25. Juni 2016
Donnerstag, 23. Juni 2016
Samstag, 11. Juni 2016
Alltag
Gehen, wohin ich muss
Einen jungen Baum pflanzen
Den Garten loben, auch wenn es lange regnet
Das Rad ölen
und die Bremse prüfen
Die Zeitung lesen, ohne den Wunsch auszuwandern
Freunde empfangen
Vergessen können
Rosen oder Hühner?
Gedichte schreiben
und nicht auf die Musik der Bassgeigen
am Himmel hören
der blau oder bewölkt ist.
(Rainer Brambach)
Montag, 6. Juni 2016
Fazit
gelacht
geweint
gefragt
gefehlt
gegrübelt
getastet
gesucht
gerungen
gesprungen
geliebt
geherzt
gescherzt
gehalten
getragen
gesungen
gesponnen
geflogen
gestrauchelt
geglaubt
gestrandet
gelandet
gelebt
(Annemarie Schnitt)
Sonntag, 5. Juni 2016
Sonntag, 29. Mai 2016
Donnerstag, 26. Mai 2016
ich wollte sehen. woher alles schöne auf der welt
kommt. wenn du nicht bei mir bist
schleppte mein herz über wiesen und felder
füllte meine taschen mit blüten und blumen. doch
dann bemerkte ich. wie sehr ich dich vermisse
im glanz eines jeden lebendigen –
anemone malve lavendel jasmin
du bist das wunder meines frühlings
meine erde
mein himmel
glück
(Rea Revekka Poulharidou)
Sonntag, 15. Mai 2016
Donnerstag, 12. Mai 2016
Es tagt
Mit blossen Armen
schwerelos
umarmt
der Tag
die Nacht
Sterngirlanden
verlöschen
entschwinden
in den weissen
Gewölben
des Himmels
Über den Horizont
kommt die Sonne zur Welt.
Luisa Famos)
Sonntag, 1. Mai 2016
Ziemlich viel Glück
Ziemlich viel Glück
Gehört dazu,
Dass ein Körper auf der Luft
Zu schweben beginne
Mit Brust, Achsel und Knie
Und auf dieser Luft
einem anderen Körper begegne,
Wie er
Unterwegs.
Die Atmosphäre macht
Zwei innige Torsen aus ihnen.
Unbemerkt beschreibt ihr Entzücken
Zärtliche Linien in Baumkronen.
Eine ganze Zeit noch
Ist Ihr Flüstern zu vernehmen,
Und wie sie einander
Das schenken,
Was leicht an Ihnen ist.
Glücklichsein beginnt immer
Ein wenig über der Erde.
(Karl Krolow)
Donnerstag, 28. April 2016
I stood willingly and gladly
in the characters of everything
other people, trees, clouds.
And this is what I learned,
that the world's otherness
is antidote to confusion,
that standing within this otherness
the beauty and the mystery of the world,
out in the fields or deep inside books
can re-dignify the worst-stung heart.
(Mary Oliver)
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Gerne und freiwillig
habe ich mich in die Rolle von allem begeben
andere Menschen, Bäume, Wolken.
Und dies habe ich gelernt:
dass das Anders-Sein der Welt
das Gegenmittel für Verwirrung ist
dass das Sein mit dem Anders-Sein
der Schönheit und dem Geheimnis der Welt,
draussen auf den Feldern oder tief in Büchern versunken
auch das schmerzendste Herz
wieder in seinen würdigen Zustand versetzen kann.
(Mary Oliver)
Sonntag, 17. April 2016
Mittwoch, 13. April 2016
wo ich lebe
wo ich lebe
findest du perlen im gras
gold auf alten bäumen
blüten an erstaunen
tropfen an ewigkeit
stille augenblicke
und das wache
sehen eines
stifts
(Rea Revekka Poulharidou)
Dienstag, 12. April 2016
Noch Staunen können.
Sich begeistern.
Sich trauen.
Fremde Türen öffnen,
neue Räume betreten.
Auch in uns.
Den Tag geniessen,
den Augenblick feiern.
Den Himmel berühren.
In sich selber ruhen.
Lächeln.
Einander begegnen.
Für sich sein.
Frieden finden.
In uns.
Und um uns herum.
Lieben.
Und geliebt werden.
(Jochen Mariss)
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