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Freitag, 29. November 2019
Die letzte Höhe
Lass dünn die Oboe dich durchziehen,
sie sucht deine Trauer.
Sie will ablösen, was lange genug
den Weg durch die Täler ging.
Deine Entscheidung, frei zu sein,
lässt die Berge einstürzen
und plötzlich stehst du im Licht.
Das Tal war die letzte Höhe,
die du erklimmen musstest.
Du warst dein Berg.
(Ulrich Schaffner)
Mittwoch, 27. November 2019
Glück
Nichts mehr, was dich treibt
Nichts mehr, was dich hält
Den Hügel hinauf
Und so lange nach innen singen
Bis die Stimme dich aufhebt
Und mitnimmt.
(Peter Härtling)
Freitag, 22. November 2019
Nestbau
wenn ich den neuen tag beginne
lege ich ein nest für dich an
dort sammle ich die gedanken zu dir
das klingen meines herzens
die sätze meiner seele
die sehnsucht meiner hände
und den himmel meiner liebe
wenn ich den neuen tag beginne
will ich dich nähren aus der ferne
(Hermann Josef Schmitz)
Dienstag, 19. November 2019
Unterschätze nicht die Macht
die darin liegt
liebevoll an jemanden zu denken,
ein Lied zu singen,
Blumen in eine Ecke zu stellen
als Geschenk der Schönheit ans Leben,
als Geschenk der Schönheit ans Leben,
die Macht
einen schönen Tisch zum Abendessen vorzubereiten,
einen schönen Tisch zum Abendessen vorzubereiten,
deinen Körper liebevoll zu behandeln,
Kunst zu machen, zu spielen,
des Ritual und Zeremonien Durchführens.
des Ritual und Zeremonien Durchführens.
All diese Handlungen erschaffen unsere Welt.
Schütze das Heilige, nähre Schönheit,
schätze sogar das gänzlich Unsichtbare,
kleine Handlungen der Fürsorge,
die unsere Welt erschaffen.
(Chameli Ardagh)
Sonntag, 10. November 2019
Mittwoch, 30. Oktober 2019
Nachtgedanken
Die schönste Zeit in meinem Heute:
wenn die geballten Tagesfäuste
sich verwandeln
in warme zärtliche Nachthände,
streichelnd Deine Wärme fühlen,
wenn unsere Zweisamkeit
sich wie eine warme Kuppel
über uns senkt
und die Welt
aussperrt.
(Heidi Lachnitt)
Freitag, 25. Oktober 2019
Ich darf loslassen.
Wie der Baum, der seine Röte ablegt
und seine kühlen feuchten Wurzeln
in die Verschwiegenheit der Erde verzweigt.
Ich darf ruhen.
Wie der Mond am Saum der Nacht
der silbern sich auf stille Gräser bettet
zum Atemholen unter der fliehenden Hand der Zeit.
Ich darf sein.
Wie der Nebel auf den Wassern
wie der Rauhreif am Fenstergeviert
wandernd unter geduldigen Träumen.
(Giannina Wedde)
Montag, 21. Oktober 2019
Herzvogel
Mein Herz ist
ein hungriger Vogel
pickt eifrig im Staub
des langen Lebenswegs
findet hier und da
ein süsses Körnchen der Hoffnung
die voran trägt
und ab und dann
entdecken meines Herzens Augen
nährende Glückskäfer-
einfach so
im Staub am Wegesrand.
(Maria Sassin)
Freitag, 18. Oktober 2019
Mittwoch, 16. Oktober 2019
Komm, Nacht, verstreue Deine Sterne,
leg schwarzes Tuch auf jedes ungehörte Ach,
entlass die Schwärme der Gedanken in die Ferne,
hauch Deinen Stilleatem unter jedes Dach.
Komm, Nacht, beruhige meine Hände,
die nichts als Träume halten auf dem Floss der Zeit.
Leg einen Kuss auf jedes unversöhnte Ende,
in jeden Atemzug empfundne Dankbarkeit.
Komm, Nacht, Du Hüterin der Pforte,
an deren Herz die halbe Welt sich seufzend schmiegt,
geleite mich zur Quelle reiner Hoffnungsworte,
in denen schon der Glanz des neuen Morgens liegt.
(Giannina Wedde)
Donnerstag, 10. Oktober 2019
Wintervorrat
Höre aufmerksam zu,
denn :
alle Geschichten sind Wälder.
Oder
lies Dich ins Dickicht und
sammle
die Wörter, die liegen wie
Reisig.
Und wenn es kalt wird um Dich,
wenn
die Wege zu Dir unpassierbar sein
werden,
wird Deine Erinnerung eine Sprache
haben,
um sich Dir zu erzählen.
(Jost Renner)
Mittwoch, 25. September 2019
Es gäbe kein richitges Leben
im falschen
sagt ein Weiser
doch was soll
an einem Leben
denn richtig sein
und was falsch -
die Schreier
und Besserwisser
die Revolutionäre
und Weltverbesserer
wussten immer schon
was das richtige Leben ist -
ist es dadurch
besser geworden?
In jeder Zeit ist es
uns gegeben
ein gelingendes Leben
zu suchen
und zu finden
doch ist ein Geheimnis
dahinter
wie in der Geschichte
zweier Menschen
die sich lieben
diese Geschichte
die nicht erfolgreich
nicht rentabel
nicht siegreich
sein kann
sondern im besten Falle
vom Gesang
der Vögel
vom Glück
des Augen-Blicks
und von der Gnade
eines pochenden
Herzens
begleitet wird
(Linard Bardill)
Samstag, 7. September 2019
Vor dem Herbst
sie geben sich den letzten warmen nächten hin
und spüren die grossen brände in ihren seelen
sie werden unbemerkt und mitten in des tages dämmerung kommen
dann wird ein leuchten über alle blätter gehen
ein stilles wiederholen eines grossen rituals
noch einmal werden diese wunderschönen bäume
ihre ganze kraft verschwenden
den himmel loben und die wurzeln tiefer wachsen
und sich umarmen unter eines bodens licht
sie geben sich noch einmal letzten warmen nächten hin
dann nistet sich der schmerz wie ein vergehen
in eine reif gewordene zeit
(Hermann Josef Schmitz)
und spüren die grossen brände in ihren seelen
sie werden unbemerkt und mitten in des tages dämmerung kommen
dann wird ein leuchten über alle blätter gehen
ein stilles wiederholen eines grossen rituals
noch einmal werden diese wunderschönen bäume
ihre ganze kraft verschwenden
den himmel loben und die wurzeln tiefer wachsen
und sich umarmen unter eines bodens licht
sie geben sich noch einmal letzten warmen nächten hin
dann nistet sich der schmerz wie ein vergehen
in eine reif gewordene zeit
(Hermann Josef Schmitz)
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